Klassik

Minetti Quartett/ Rüdiger Safranski


In ein Nocturne verwandelte György Ligeti sein erstes Streichquartett.

Der Pulsschlag des Lebens geht in Flimmern über, der Rhythmus wird zur Farbe, das auf den Saiten gestrichene Bogenholz zum Klang. In gespenstischer Stimmung taucht schemenhaft ein Choral auf. „Métamorphoses nocturnes“ wurde noch in der kommunistischen Diktatur Ungarns komponiert, aber erst nach Ligetis Emigration im Westen aufgeführt. Zwei Jahrhunderte vor Ligeti hat Joseph Haydn gleichfalls auf pannonischem Boden, in Eszterháza, die Form des Streichquartetts entwickelt.

Das Minetti Quartett leitet das Ligeti-Nocturne mit einem Haydn-Traum ein. „Haydn komponiert Musik so, wie ein Dichter eine Rede schreibt“, sagte Leonhard Roczek, der Cellist vom Minetti Quartett, in einem Zeitungsinterview. „Haydns Musik besitzt eine eigene Grammatik, eine Syntax und rhetorische Stilfiguren. Wir können nie erahnen, wohin sich die Geschichte entwickelt, wo sie enden wird. Eine unerwartete Wendung, ein plötzliches Innehalten, ein überraschender Aufschrei, eine träumerische Rückschau...“ Wegen seines ins Unwirkliche entrückten Adagios bekam das Quartett op. 50 Nr. 5 in der Romantik den Beinamen „Traumquartett“.


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