Literatur · Theater

Miguel Herz–Kestranek liest Schnitzler


Miguel Herz-Kestranek gilt als DER Schnitzler-Interpret schlechthin, bringt er doch wie kaum ein anderer Schnitzlers Sprache und Tonfall, seine akribische Menschenzeichnung und den Blick in das „weite Land der Seele“ näher.

Dabei verfällt er keinem melancholischen Klischee, sondern zeichnet hart und knapp Schnitzlers böse Skizzen und spürt dem sensiblen Analysten humorvoll und mit Erschrecken zugleich nach.

Für seinen bereits dritten Besuch im Kurhaus Semmering hat Miguel Herz-Kestranek vier höchst unterschiedliche Prosastücke des wohl bekanntesten Vertreters der Wiener Moderne ausgewählt. Die beklemmende Studie „Ich“ zeigt den im Anfangsstadium noch ganz natürlich erscheinenden Realitätsverlust eines Mannes, der die Existenz dieser Welt ob ihrer Ungeheuerlichkeit allmählich bezweifelt. In „Der Ehrentag“ setzt Schnitzler ein paar Spaßvögeln aus der so genannten „guten Gesellschaft“, die sich mit einem kleinen Chargenspieler einen Scherz erlauben, die tödliche Verzweiflung des Verhöhnten entgegen. Die tragikomische Burleske „Der Empfindsame“ und die köstliche Ferialkorrespondenz zweier Jünglinge in „Der Leuchtkäfer“ lassen den zweiten Teil dieser kurzweiligen Lesereise ins Wien der Jahrhundertwende hingegen durchwegs heiter ausklingen.


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