Tanz

Michael Turinsky / Jurij Konjar - Doppelabend


MICHAEL TURINSKY (AT) / JURIJ KONJAR (SI)
Doppelabend

MICHAEL TURINSKY
heteronomous male

het-er-on-o-mous
adj.
1. Subject to external or foreign laws or domination; not autonomous.
2. Biology Differing in development or manner of specialization, as the dissimilar segments of certain arthropods.

Was mag es, vor allem in kinästhetischer Hinsicht, bedeuten, ein Mann zu sein und zugleich fremdbestimmt durch Abwesendes? Spielerisch changierend zwischen der Eigengesetzlichkeit des behinderten Körpers einerseits und der Gesetzeskraft von Choreografie und Sozietät andererseits, schwankend zwischen Eros und Hilflosigkeit, zwischen der Position des Kindes und der des erwachsenen Mannes, oszillierend zwischen Ernst und Ironie, zwischen Sinnlichkeit und Intellektualität, erkundet heteronomous male die grundlegenden identitätsbestimmenden Achsen desjenigen Feldes, "auf dem ich mich als behinderter Mann und Tänzer bewege".

JURIJ KONJAR
Goldberg Variations

2007 sichtete der Choreograf Jurij Konjar die Videoarbeit Goldberg Variations von Walter Verdin, die auf Steve Paxtons Performance The Goldberg Variations by J.S. Bach, played by Glenn Gould, improvised by Steve Paxton – Namensgeber und Begründer der Kontaktimprovisation – basiert. Durch eine Reihe von Ereignissen und Entscheidungen begann Jurij Konjar diese regelmäßig zu üben, indem er das ganze Stück jeden Tag des darauf folgenden Jahres tanzte. Goldberg Variations ist das Resultat seiner Auseinandersetzung – Paxton revisited.

Nachdem ich das reine Kopieren deiner Art der Bewegung hinter mir gelassen hatte, was ziemlich schnell passierte, begann ich, mich mehr darauf zu konzentrieren, womit du dich tatsächlich beschäftigtest, über die Form hinaus. Ich sah, dass du die Form als Mittel zu einem Zweck nutzt, und ich hatte wirklich den Eindruck, dass die Form einfach nur ein Puzzlestück darstellte. Der wirkliche Prozess, den ich miterlebte, war Kommunikation, und der Echtzeitfluss von Information, bei dem wir nicht nur das Endprodukt sehen, sondern bei dem der Prozess vor uns bloßgelegt wird.

Ich fühlte, dass es in deinen Handlungen keine Zeit gab, in dem Sinn, dass es keine Vergangenheit gibt und dann den Kommentar über die Vergangenheit, der dann die Zukunft wäre. Es existiert nur eine Reihe von Augenblicken, in denen jeder Augenblick für Veränderung an jedem Punkt geöffnet ist, sobald einmal neue Information berücksichtigt wird. Ich beobachtete und was ich sah, war ein andauernder Augenblick. (Auszug aus einer E-Mail, gesendet am 15.12.2009)

Michael Turinsky, Philosoph, seit Geburt körperbehindert, lebt und arbeitet als freier Autor, Tänzer und Choreograf in Wien. Erste tänzerische Erfahrungen im Zuge regelmäßiger Trainings und kleinerer Performances der Gruppe vimprodaco (vienna improvisations dance company). Danach künstlerische Zusammenarbeit mit Klaus Gölz, Sonja Brown, Andreas Constantinou, Barbara Kraus und Bert Gstettner. 2008 Choreografie Rücksicht auf Darstellbarkeit. 2011 Choreografie Narcissus Project.

CHOREOGRAFIE, TANZ, BÜHNE, TEXT: Michael Turinsky
MUSIK: Ben Frost
KOSTÜM: Devi Saha
PRODUKTION: Elisabeth Drucker
Mit freundlicher Unterstützung von TANZ*HOTEL , M.A.P. Vienna und MA 7 Kultur.






Jurij Konjar ist ein Tänzer, Choreograf und Improvisator, der in Ljubljana geboren wurde. Nach einem intensiven technischen Training in Slowenien studierte er Musical in London, dann wurde er am Studienzentrum PARTS in Brüssel ausgebildet. Er arbeitete mit Les Ballets C de la B, Maja Delak, Janez Janşa, Boris Charmatz sowie mit Lisa Nelson. Zu seinen eigenen Werken gehören Catharsis for Beginners, Ulysses und die Goldberg Variations. 2007 erlitt er eine Kopfverletzung, wodurch sich sein Schwerpunkt hin zu dem veränderte, was in einem Augenblick passiert. 2009 löste eine tiefgehende Beobachtung von Steve Paxtons Video der Goldberg Variations die Entwicklung einer persönlichen Improviationspraxis aus. Sein Goldberg Variations-Solo wurde 2010 uraufgeführt. In den letzten vier Jahren entwickelte er seine Praxis weiter, während er mit den Goldberg Variations auf Tournee war, und lehrte auf internationaler Ebene.

GESTALTUNG & PERFORMANCE: Jurij Konjar
MUSIK: Goldberg Variations von Johann Sebastian Bach
LICHTDESIGN: Robrecht Ghesquiere
DANK AN: Steve Paxton, Lisa Nelson, Frans Poelstra
UNTERSTÜTZT VON Slowenisches Kulturministerium
KOPRODUKTION: Tanzquartier Wien

www.jurijkonjar.com


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