Klassik

Michael Schade, Tenor, Justus Zeyen, Klavier


Seit über 15 Jahren hat Kammersänger Michael Schade Franz Schuberts Liedzyklus "Die schöne Müllerin" im Repertoire; nach Texten von Wilhelm Müller, wegen seiner Begeisterung für die Unabhängigkeit Griechenlands auch "Griechen-Müller" genannt. Weder hat Müller das Land je gesehen, noch seinen kongenialen "Vertoner" Franz Schubert kennengelernt.
Wie kaum eine anderer seiner Generation versteht es Michael Schade, das Natürliche, das "wahre Gefühl" der sich konzentrisch verdichtenden Lieder ans Licht zu bringen. Dabei ist ihm die Textdurchdringung oberstes Gebot. Hat er doch die deutsche Sprache ebenso im Blut wie die Erfahrungen eines "Wahlwieners", der zwischen Gabriel von Eisenstein, Mozarts Tenorpartien oder Richard Wagners Stolzing lustvoll hin und her spaziert; geht es doch stets um seine Tessitura.
Am Ende der 20 Lieder der "Müllerin" heißt es in "Des Baches Wiegenlied": "Gute Nacht, gute Nacht! / Bis Alles wacht, / Schlaf’ aus deine Freude, schlaf’ aus dein Leid! / Der Vollmond steigt, / Der Nebel weicht, / Und der Himmel da oben, wie ist er so weit!" Der Bach tröstet den vermeintlichen Selbstmörder, gescheitert in der Liebe um die schöne Müllerin; gescheitert am potenten Jägersburschen, über sich selbst gestolpert? Was als frohe Wanderschaft in munterem B-Dur anhebt - "Das Wandern ist des Müllers Lust" -, schließt in E-Dur. Eine ozeanweite Entfernung im Quintenzirkel.

Biographischen Quellen und einigen Briefen zufolge, bezieht sich der Zyklus Wilhelm Müllers auf eine unerfüllte Liebe zu Luise Hensel, Schwägerin von Felix Mendelssohn Bartholdys Schwester Fanny Hensel. "Die schöne Müllerin", lässt gut eine Stunde romantischer Ironie ihren Lauf, deren doppelten Boden Franz Schubert mit Lebens- und Liebeserfahrungen bespielt. Harmonische Brechungen ausstreut und scheinbar nebenbei Volkslieder zum kurzzeitigen Verweilen zaubert. Ein Traumfänger - ohne Happy End. Ein Glück, die Stimme Michael Schades zu hören.


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