Klassik

Michael Schade, Tenor & Malcolm Martineau, Klavier


«Da geht es um wahre Gefühle. Da liegen die Emotionen blank», so äußert sich Michael Schade über die Lieder Franz Schuberts. Einen Namen gemacht hat sich der deutsch-kanadische Tenor zunächst im Mozartfach, erweiterte sein Repertoire aber stetig bis hin zu Richard Wagner – im vergangenen Jahr feierte er sein Rollendebüt als Stolzing beim renom¬mierten Glyndebourne-Festival in England und war in selbiger Rolle an der Mailänder Scala zu erleben. Mit gleicher Hingabe widmet er sich dem Kunstlied. Seine Interpretationen sind geprägt von der langjährigen Zusammenarbeit mit Nikolaus Harnoncourt und dessen Vor¬stellung von der «Klangrede». So steht für Schade immer der Text im Vordergrund – er spricht von einem «hundertprozentigen Bekenntnis zur Lyrik».
In fünf Konzerten porträtiert das Wiener Konzerthaus in der kommenden Saison den gefeierten Opernsänger. Am Beginn der Porträtreihe steht hierbei ein Debüt: Während Franz Schuberts erster Liedzyklus, «Die schöne Müllerin», bereits seit über 15 Jahren zu Schades festem Repertoire gehört, hat er dessen letzten Liederzyklus, die «Winterreise», noch nie gesungen. An seiner Seite hat er bei dieser tiefgründigen Wanderung seinen langjährigen Partner und renommierten Liedpianisten Malcolm Martineau.
1827, ein Jahr vor seinem zu frühen Tod, entstand Franz Schuberts wohl wichtigster und bekanntester Liedzyklus, die «Winterreise». «Fremd bin ich eingezogen, fremd kehr ich wieder aus» – welcher Liedfreund kennt sie nicht, die ersten Zeilen des Liedes «Gute Nacht»? Schubert, der die «Winterreise» seinen Freunden gegenüber als «schauerliche Gesänge» ankündigte, hat in den 24 Liedern alle Facetten menschlicher Gefühle von Ver-zweiflung und Hoffnungslosigkeit beschrieben. Dem Publikum wird kein «Lebenslauf der Liebe» vom ersten Kennenlernen bis zur Trennung gegönnt, sondern hier ist bereits alles aus und vorbei. Unwiederbringlich. Seiner Liebe und jeder Geborgenheit beraubt, zieht der Wanderer hinaus in die Winternacht. Von nun an ist die Hörerin oder der Hörer immer wieder sein Begleiter, erlebt mit ihm entscheidende Momente und Begegnungen der Reise, aber natürlich auch die Facetten der emotionalen Ebene. Bereits die Gedichte von Wilhelm Müller sind voller Schattierungen des Dunkels und feinsinniger Symbolik, die durch Schuberts Musik auf geradezu kongeniale Weise vertont sind. Sogar der Komponist selbst machte seinen Freunden gegenüber keinen Hehl daraus, dass von all seinen Liedern ihn keines so berührte wie die 24 Lieder der «Winterreise». Bis heute hat der Zyklus nichts von seiner Faszination, seiner mystischen Spannung und der emotionalen Dichte verloren und stellt einen Meilenstein der Liedkunst dar – für Interpreten und Publikum gleichermaßen!

PROGRAMM

Franz Schubert
Winterreise. Liederzyklus nach Gedichten von Wilhelm Müller D 911 (1827)


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