Jazz

Meshell Ndegeocello


Die hemdsärmelige Bassistin steckt noch in ihr, aber auf ihrem neuen Album bezaubert Meshell Ndegeocello mit sehr vorsichtigem Gesang zu sanften Reggae-Klängen.

Als erstes Bild von ihr kommt einem noch immer das der hemdsärmligen Bassistin in den Kopf, die an der Seite von John Mellencamp mit Van Morrissons „Wild Night“ 1994 ihren Durchbruch hatte. Schwer zu sagen, wer bei diesem Duett von beiden besser singt, es strahlt die pure Sinnesfreude aus und ist zudem eine der selteneren Hitsingles, in denen ein Bass zum Melodieinstrument wird.
Bass spielt Meshell Ndegeocello noch immer wie eine Göttin, aber sie tut es nicht mehr ganz so aufmüpfig wie etwa in dem Video zu „If That’s Your Boyfriend (He Wasn’t Last Night)“, mit dem sie einst gewitzt provozierte. Bei Aufnahmen zu ihrem neuen Album sieht man sie dagegen in einer dicken Jacke und mit Baseballmütze im Studio, sich abschirmend von der Welt, wie um in ihr Instrument hineinzuhören.
Warten auf die Schnuppe
„Comet, Come to Me“ ist ein kontemplatives Album wie schon zuletzt das Werk „Weather“ (2011). Das Titelstück ist eine Meditation über das nicht aufgebende Warten auf die Sternschnuppe des Lebens, es wiederholt mit sehr vorsichtigem Gesang die lyrische Zeile, während es den Silbenakzent beständig verschiebt. Grundiert wird es von einer zarten Reggae-Orgel und einem dazu passenden Background-Gesang, der von ferne an jenen der Liebeslieder Bob Marleys erinnert. Ein sehr weicher Komet muss das sein, dessen Ankunft diese Sängerin so geduldig herbeisehnt, als wollte sie sagen: Du glaubst doch nicht, dass ich jetzt aufgebe?
Kaum weniger verliebt klingt das Stück „Tom“, ein wispernder Soulgesang über ruhigem Shuffle-Schlagzeug, wie es auf dem Album mehrfach zu hören ist. Darüber dürfen Gitarrenakkorde auch schon einmal für einen ganzen Takt ausklingen - die Aufnahme erhält somit sehr viel Raum zum Atmen, wirkt überaus entspannt.
Ein Lied brütet in der Mittagshitze
Während der Reggae auch flächige Stücke wie „Forget My Name“ grundiert, überrascht „Shopping for Jazz“ mit einer Instrumentierung, die eher an Country erinnert: eine fast schon augenzwinkernde Erinnerung daran, dass Ndegeocellos Stil nach wie vor kaum zu kategorisieren ist. Mit einer deutlichen Anleihe an Gitarrenriffs der Rolling Stones kokettiert der Soul-Rock von „Conviction“. Und als bluesiges Singer-Songwriter-Stück darf man wohl „Good Day Bad“ bezeichnen, einen Song, der wie ein zitterndes Amphibium in der Mittagshitze zu brüten scheint, stets bedacht darauf, bloß keine falsche Bewegung zu machen. Und bloß keinen schlechten Tag aus einem guten.
Der Eröffnungsrap „Friends“ fällt aus diesem Klangrahmen etwas heraus, er soll wohl zur Sicherheit eine kantige Seite der Sängerin unter Beweis stellen. Aber dessen hätte es gar nicht bedurft, warnte sie doch schon auf einer früheren Platte mit einem Cover-Song der Band The Soul Children: „Don’t Take My Kindness For Weakness“. (Jan Wiele)

Meshell Ndegeocello: bas, vocals
Jebin Bruni: keyboards
Chris Bruce: guitar
Earl Harvin: drums


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