Kunstausstellung · Fotografie Ausstellung

Meinrad Hofer - portrait of a mask


Eröffnung: Freitag, 12. Februar 2016, 19 Uhr

Begrüßung:
Günter Schönberger, Bildrecht
Zur Ausstellung:
Ruth Horak, Kunsthistorikerin

Ausstellungsdauer: 15. Februar - 25. März 2016

“Mich interessiert was ein Mensch sein möchte und was er gleichzeitig ist,
wo sich der Wunsch des Seins mit dem Sein trifft - und befrage das Gesicht" (Meinrad Hofer)

John Malkovich, Karl Lagerfeld, Lisl Steiner und den Dalai Lama hatte Meinrad Hofers bereit vor seiner Linse. Ein Stück Geschichte findet sich in den Portraitserien seines zuletzt erschienen Buches „witness, realities of forced emigration 1938-1945 “. Im Rahmen seiner langjährigen Auseinandersetzung mit der Portraitfotografie zeigt Meinrad Hofer im Bildraum 01 seine aktuelle Werkserie. In diesen Portraitstudien stellt der Fotograf klassische Barytprints dreidimensionalen Fotoobjekten gegenüber. Erstere, von Hofer auch als Antlitzbilder bezeichnet, zeigen den Menschen leblos, ähnlich einer Totenmaske. In ihnen erkennt man ein sehr ruhiges Bild der abgelichteten Persönlichkeit. Die Zeit scheint still zu stehen. Ein Bild des Wesens, reglos, und doch zeigt es maskenlos das Gesicht ohne dessen Ausdruck des Lebendigen. Die „Maskenportraits“ dokumentieren die Identität und Existenz des Subjekts und lassen Bildverknüpfungen im vielschichtigen Verhältnis zwischen Maske und Foto, zwischen Sein und Nichtsein entstehen.

Meinrad Hofer geht es um Fragestellungen der Persönlichkeit, die Maske ermöglicht ihm eine visuelle Intensivierung der komplexen Verschränkungen zwischen Lebendigem und Realem. Der Fotograf folgt hier den Theorien von Roland Barthes über die Transpositionierung des Dargestellten, der Verfälschung der Identität, bis hin zur Erscheinung eines analogen Doppelgängers, als eigentliche Wendung von Subjekt zu Objekt. Seinen analogen Gesichtsbildern stellt Meinrad Hofer eine Bildreihe aus gegossenen Gipsabdrücken gegenüber, die mit Hilfe von flüssiger Fotogelatine mit dem Abbild der selben Person belichtet wurden. Diese Arbeiten offenbaren die Gegensätze von Grund und Projektion, der Lebendigkeit und der Leblosigkeit. Das ein zweidimensionale Foto passt nie exakt auf die Gipsmaske und stellt so den gesamten Ausdruck des dreidimensional dargestellten Gesichtes in Frage.

Anstatt die Wahrheit einer Person zu transportieren, zeigt Hofer so demonstrativ, dass ohne das Festhalten des individuellen Ausdrucks nichts als ein steriler Körper zurückbleibt, eine durchsichtige Seele, mit der das Subjekt uns sinnentleert entgegenstarrt. Der Fotograf befreit so jedoch seine Arbeiten auch von jedem Bezug zu einer gegebenen, eindeutigen, mimetisch abbildbaren Realität. Die fixe fotografische Aufnahme des Porträts wurde in eine kreative Aktion verwandelt. Statt Totenmasken, die sklavisch unmittelbar die Existenz des je Dagewesenen beweisen sollen, werden in portrait of a mask Fiktionen des Selbst geschaffen, die sich von ihrer klassischen Belegfunktion emanzipiert haben.


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