Vortrag · Literatur

Helga Pollak-Kinsky - Mein Theresienstädter Tagebuch


Das Tagebuch von Helga Pollak und die Aufzeichnungen ihres Vaters sind heute von unschätzbarer, historischer Bedeutung. Sie erinnern uns auch an unsere Verantwortung gegenüber Menschen, die aus Angst vor Ermordung flüchten müssen.

Helga Pollak wurde am 28. Mai 1930 in Wien geboren. Ihr Vater betrieb das Café Palmhof, ein berühmtes Unterhaltungscafé in der Mariahilferstrasse. Im Jänner 1943 wurde sie zusammen mit ihrem Vater nach Theresienstadt deportiert. Dort lebte sie bis zum 23. Oktober 1944 als sie nach Auschwitz deportiert wurde im Zimmer 28 des Mädchenheims L 410.

Die dreizehnjährige Helga Pollak schildert in ihrem Tagebuch die Freundschaft und die Solidarität der Mädchen von Zimmer 28 inmitten des Grauens und erzählt von deren großartigen Lehrern und Betreuerinnen. Oftmals berühmte Künstler und Wissenschaftler welche die Kinder heimlich unterrichteten. Helga Pollak erzählt in ihrem Tagebuch begeistert von der Arbeit an der Kinderoper Brundibar.

„Helgas Aufzeichnungen und die Geschichte der Mädchen vom Zimmer 28 zeigen dass Freundschaft und Solidarität mehr sind als nur Duldung und Toleranz gegenüber anderen die wir als „fremd“ empfinden.“ schreibt Peter Gstettner im Nachwort des Tagbuches.

Helga Pollak-Kinsky kam im April 1945 mit einem Gefangenentransport wieder ins KZ Theresienstadt wo sie mit ihrem Vater die Befreiung erlebte. 1946 zog Pollak zu ihrer Mutter nach London und besuchte dort ein College. 1951 heiratete sie einen jüdischen Deutschen, der sich in der Zeit des Nationalsozialismus nach Bangkok gerettet hatte. Sie bekamen zwei Kinder, lebten in Bangkok und Addis Abeba und kehrten 1957 nach Wien zurück. Pollak-Kinsky ist aktives Mitglied der International Alliance of Women. Sie ist seit Jahren in deutschen Schulen als Zeitzeugin zu Gast.

Helga Pollak-Kinsky erhielt 2013 das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. Im Januar 2014 war sie von den Vereinten Nationen eingeladen bei der Holocaustgedenkfeier in Genf zu sprechen. Im Januar 2015 war sie eine von 19 Überlebenden des KZ Auschwitz deren Erzählung in der umfassenden Titel-Reportage Die letzten Zeugen des deutschen Nachrichtenmagazins Der Spiegel aufgenommen wurde.

Es lesen:

Maresi Riegner: Aufzeichnungen - Helga Pollak
Florentin Groll: Aufzeichnungen – Vater
Helga Pollak-Kinsky: Kommentare


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