Literatur

Mein ganzes merkbares Glück


Einleitung: Klaus Amann
Musik: Otto Lechner

Mit dem Band Erzählungen aus dem Nachlass ist vor kurzem die von Klaus Amann und Doris Moser herausgegebene vierbändige Ausgabe der Werke Christine Lavants (1915-1973) im Wallstein Verlag (Göttingen) abgeschlossen worden. Das Stadttheater Klagenfurt nimmt dies zum Anlass, einer der größten deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts einen Abend zu widmen. Anne Bennent, die in der aktuellen Inszenierung der Mutter Courage von Bert Brecht die Hauptrolle spielt, wird Prosa von Christine Lavant lesen. Der international vielbeschäftigte Komponist und Akkordeonspieler Otto Lechner wird das Geschehen auf der Ziehharmonika musikalisch gestalten.

Christine Lavants Eigenart und Stärke als Prosaautorin ist ihr unbestechlicher Blick auf das, was in den menschlichen Verhältnissen verkehrt ist, und ihr liebevoller Blick auf diejenigen, mit denen es das Leben weniger gut gemeint hat. Es ist ihre eigene Welt, über die sie schreibt. Sie hat mit dem Milieu, dem sie entstammte, nie gebrochen, sie übernimmt nicht die Normen und Sichtweisen der bürgerlichen Kreise, die sich um sie bemühten und in denen sie zuweilen verkehrte. „Wie wenig ich zu allen ‚besseren‘ Leuten dazupass!“ bemerkte sie einmal gegenüber einer Freundin. Lavant ist keine soziale Aufsteigerin, sie blickt nicht auf etwas zurück, das sie hinter sich gelassen hat. Sie bleibt, selbstbewusst und reflektiert, Teil dessen, was sie beschreibt. Und so erzählt sie – auch in allerhand Verkleidungen – vor allem von sich und ihrer ländlichen Welt. Und sie zeigt sich dabei völlig ungeniert, schonungslos und ungeschützt. Ihre Prosa aus dem Nachlass ist formal souverän, inhaltlich kompromisslos und oft unerhört komisch. Eine ganz außergewöhnliche Entdeckung.


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