Klassik

Mazeppa



Oper in drei Akten (1884)
Musik und Libretto von Peter Ilitsch Tschaikowski
unter Verwendung des Librettos von Wiktor Petrowitsch Burenin nach dem Poem Poltawa von Alexander Puschkin
Konzertante Aufführung in russischer Sprache

Peter Iljitsch Tschaikowski schrieb drei Opern nach Werken von Alexander Puschkin – alle drei enden tragisch, aber keine ist so voller unheilbringender, verrückter Liebe, politischer Verwicklung und blutrünstiger Grausamkeit wie Mazeppa: Die junge Marija lehnt ihren jungen Bewerber Andrei ab, weil sie in den viel älteren Kosakenanführer Mazeppa verliebt ist. Gegen den Willen ihrer Eltern folgt sie dem charismatischen Mann. Ihr Vater Kotschubei will sich mit dem Verrat eines geheimen Aufstandsplans an Mazeppa rächen, aber der Zar glaubt ihm nicht. Kotschubei scheitert, und sein Widersacher Mazeppa lässt ihn hinrichten. Als Marija davon erfährt und die Enthauptung ihres Vaters mitansehen muss, gerät ihre Liebe ins Wanken. Mazeppa zettelt dann tatsächlich einen bewaffneten Aufstand zusammen mit schwedischen Truppen gegen den Zaren an, der aber niedergeschlagen wird. Auf der Flucht schießt er Andrei nieder und überlässt Marija ihrem Schicksal. Am Ende sitzt sie im verwilderten Garten ihres Elternhauses und hält den sterbenden Andrei in den Armen. Ihm singt sie, wahnsinnig geworden, ein Wiegenlied. Tschaikowski fokussiertsein Stück im Vergleich zur Vorlage, Puschkins Poem Poltawa (1829), viel stärker auf die Liebestragödie. Zur Verschärfung erfand er noch den Charakter des Andrei hinzu. Den Komponisten interessierte offenkundig diese Konventionsgrenzen sprengende Liebe der jungen Frau zu dem viel älteren politischen Quertreiber und der Konflikt mit ihren rachsüchtigen Eltern. Für die Schilderung der wechselhaften familiären Situationen verarbeitet Tschaikowski etliche russische Volkslieder, dieser intime Ton steht im effektvollen Kontrast zu den großen Chorszenen. Die Uraufführung im Moskauer Bolschoi-Theater am 15. Februar 1884 wurde von Publikum und Presse noch sehr zurückhaltend aufgenommen. Tschaikowski revidierte für die weiteren Aufführungen immer wieder den Text – ob das zum sich langsam steigenden Erfolg beitrug, sei dahingestellt, aber Mazeppa wurde nach lauem Anfang zumindest in Russland schnell zum Publikumsmagneten und Repertoirestück, das im Laufe des 20. Jahrhunderts auch in Westeuropa immer häufiger auf den Spielplänen zu finden war.