Theater

Maxi Obexer: Illegale Helfer


Die verstärkten Flüchtlingsströme in Richtung Europa haben 2015 die oft beschworene Zivilgesellschaft auf den Plan gerufen, wie selten zuvor. Manchen Helfer*innen wird ihr Engagement nun zum Verhängnis: Sie sind ihrem Gewissen gefolgt und werden jetzt beispielweise der Schlepperei angeklagt – und das obwohl von einer Bereicherungsabsicht beim „Schienenersatzverkehr“ nicht die Rede sein kann. Sie sind „Illegale Helfer“ und ihre Geschichten bildeten den Hintergrund des gleichnamigen Hörspiels.

Im Anschluss an das gemeinsame Hören von „Illegale Helfer“, diskutiert Andreas Jungwirth mit der Autorin Maxi Obexer, der Schauspielerin und Aktivistin Natalie Assmann und dem Autor und Asylrechtsberater Daniel Zipfel über staatliche Überforderung und zivilgesellschaftliches Engagement.

Illegale Helfer. Sie kommen aus der Mitte der Gesellschaft - Ärzte, Richter, Sozialarbeiter, Studenten. Aber was sie tun, bringt sie an den Rand der Illegalität. Und manchmal darüber hinaus. Nur weil sie eines tun: helfen. Sie helfen Flüchtlingen und Migranten ohne legalen Status. Sie retten sie vor der Abschiebung, bieten Schutz und Unterkunft. Oder sie bringen sie über die Grenze, wenn alle anderen Wege ausgeschöpft sind. Einige von ihnen sind dadurch schon mehrfach straffällig geworden; andere riskieren ihren Beruf und Status. Denn diese Hilfe steht oft im Widerspruch zur Rechtslage. “Illegale Helfer“ basiert auf den Erzählungen und Berichten von Menschen, die diese Risiken eingehen, weil sie nicht anders können. Und weil sie etwas anderes wollen - etwas anderes als eine Gesellschaft, in der menschliche Unterstützung eine Straftat werden kann. “Illegale Helfer“ ist eine Produktion des WDR 2015. Regie: Martin Zylka. Co-Autor: Lars Studer.

Maxi Obexer wurde in Brixen, Südtirol, geboren. Sie ist Autorin von Theaterstücken, Hörspielen, Erzählungen und Essays. 2014 gründete sie gemeinsam mit Marianne Salzmann das neue Institut für dramatisches Schreiben. Derzeit ist sie Gastprofessorin am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2011 erschien bei Folio ihr erster Roman „Wenn gefährliche Hunde lachen“. www.m-obexer.de

Natalie Assmann. Die Schauspielerin, Regisseurin und Aktivistin Natalie Assmann wurde in Tirol geboren. Sie ist Mitbegründerin des Kollektivs „Die schweigende Mehrheit sagt ja“, die zum ersten Mal im Juli 2015 durch eine NonStop-Mahnwache für Traiskirchen vor der Wiener Oper auf sich aufmerksam gemacht hat. Für den Theaterabend „Schutzbefohlene performen Jelineks Schutzbefohlene“ wurde die Schweigende Mehrheit 2015 bei der Nestroy-Gala mit dem Sonderpreis ausgezeichnet. www.natalieassmann.com, www.schweigendemehrheit.at

Daniel Zipfel. Der Jurist Daniel Zipfel, im Breisgau geboren und ist seit mehreren Jahren für die Caritas in Wien als Asylrechtsberater tätig. 2015 erschien im Verlag Kremayr & Scheriau sein Debütroman „Eine Handvoll Rosinen“. Zipfel lässt darin drei Menschen aufeinander treffen, die alle auf die eine oder andere Weise im österreichischen Asylsystem verstrickt sind. www.danielzipfel.at

Über das Hörspielhaus im Schauspielhaus. Das Hörspiel ist heute ein sehr attraktives Medium für junge Autorinnen: Professionelle Aufnahmetechnik wird immer leichter zugänglich und moderne Software vereinfacht die Postproduktion enorm. Schnell und unkompliziert kann man so im Hörspiel eine Form finden, in der die eigenen Ideen ausgestaltet und einer breiten Masse im Netz zur Verfügung gestellt werden können. Im Rahmen des Hörspielhauses wird auch in der kommenden Spielzeit diesen Autorinnen wieder eine Plattform geboten. Autor Andreas Jungwirth wird weiterhin Gastgeber dieser Reihe sein und zum gemeinsamen Hören und Diskutieren einladen. Das Programm der Reihe wird verstärkt Bezüge zum Spielplan der Hauptbühne herstellen, indem er präsentiert, was die Autoren der Produktionen des Schauspielhauses im Bereich der Hörkunst umtreibt. Außerdem werden wir im Rahmen von Kooperationen mit Ö1, der »Schule für Dichtung« und dem Max Reinhardt Seminar die lokale Hörspielszene vorstellen.

Die Reihe Hörspielhaus wird gefördert von der Literar Mechana

Rückfragehinweise:

Hubert Weinheimer
Öffentlichkeitsarbeit
Schauspielhaus Wien
Porzellangasse 19, 1090 Wien
[email protected]
+43 1 317 01 01 307

Andreas Jungwirth
Organisator und Moderator der Reihe Hörspielhaus
[email protected]
+43 650 250143


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