Kunstausstellung

Matthias Bernhard - Verliebte Bilder


Das ausgeschlossene Dritte ist ein Kernsatz der Logik bei idealistischen Philosophen wie Fichte und basiert auf der abendländischen Logik seit Aristoteles. Es findet sich aber auch in allen anderen Wissenschaftszweigen. Der österreichisch-böhmische Sprachphilosoph Fritz Mauthner rückte dem zu Leibe:
„Der Naturforscher entdeckt unter dem Mikroskop einen Organismus, der ihm bald unter die Definition des Tieres, bald unter die der Pflanze zu fallen scheint. Nach dem Satze vom Widerspruch dürfte der Forscher nicht zugleich sagen dürfen: diese Amöbe z. B. ist ein Tier, ist eine Pflanze.

Er sagte es aber. Und nach dem Grundsatz vom ausgeschlossenen Dritten müsste er sagen: diese Amöbe gehört ohne Gnade entweder zum Tierreich oder zum Pflanzenreich. Das sagt er aber nicht, wenn er nur Haeckel ist, sondern kommt mehr oder weniger klar zu der Überzeugung, dass Tier und Pflanze nur fließende, konträre Gegensätze sind, dass es ein Drittes zwischen ihnen gibt, wenn die Sprache das auch bisher noch nicht gewußt hat.“ (Sprache und Logik, Beiträge zu einer Kritik der Sprache, Dritter Band, 1913). In der Malerei der Avantgarde gab es immer wieder Grabenkämpfe zwischen den Abstrakten und den Figurativen unter wechselndem Begriffsvokabular. Einerseits Konkrete Kunst, Informel, Tachismus, andererseits Surrealismus, Neue Sachlichkeit, Pop Art. Die Concept Art inklusive der ihr zugehörigen Malerei mit Schrift (On Kawara) machte diese Antagonismen obsolet. Alle amerikanischen abstrakten Expressionisten wie De Kooning, Pollock oder Mother well kommen aus einer surrealistischen Figuration.

In den jeweiligen abstrakten Phasen erbringt der Vergleich mit anderen abstrakten Werken eigentlich nichts, wohl aber der diachronische Vergleich mit den eigenen früheren Werken. Bei Matthias Bernhard sind beide künstlerischen Ausdrucksweisen simultan präsent, wobei die Gestaltbildung bei ihm dominiert. Das, was man abstrakt nennen würde, ist eine Art Ecriture automatique, die sich zwischen Linie, Biomorphik und Ornament bewegt. Wenn das Ganze eine düstergroteske Note annimmt, hat es inhaltlich eine große österreichische Tradition. Von Kubin zu Günther Brus, Kurt Kocherscheidt und Franz Ringel bis zu Johann Hauser, Alfred Klinkan oder Franz Janz. Aber auch Goyas Radierungen, Odilon Redon und Asger Jorn gehören zu Bernhards Vorbildern. Doch in den letzten Jahren hat er die Welt des Monströsen und Morbiden an den Nagel gehängt und webt nun seine Gouachen und Ölbilder rhythmisch zusammen wie Millefiori-Arbeiten. Die Bilder wiegen sich sozusagen in Ekstase. In der „Flechten seppserie“ knüpft er einen heidnischen (Wikinger) Flechtwerk - teppich, in dem Tier und Mensch, Ornament und Dämon sich gegenseitig verschlingen.

Bei Bernhard spielt dabei das Auge eine besondere Rolle. Man mag an George Batailles surrealistische „Geschichte des Auges“ denken, indem anstatt des Ich das Auge eine obszöne Regie führt, jedoch sind Bernhards Augen eher animistische Grundfiguren wie bei vielen Outsider Künstlern und überhaupt in der primitiven Welt des Prähistorischen. Sie sind sozusagen die Gelenke im organischen All Over der Bilder. In den Flechtenkitz-Blättern entdeckt man Löwenköpfe, Fische, Würmer, Strudel, Krater, Köpfe von Eulen und Greifvögeln, aber auch Momente aus dem Tieralphabet Walt Disneys, wenn man es nur sehen will – eine evolutive Ursuppe, die sich dem altfranzösischen Ornamentbegriff Drôlerie nicht verweigert. Die andere Seite bei Bernhard ist Sprache. Vor allem in seinen proteischen Künstlerbüchern gelingt es ihm, sich geschriebene Sprache und Bilder zu einem Ganzen zu fügen. Aufrufe, Beschwörungen, Litaneien, Anweisungen, Gebete – „Das Gestirn der Birne“. Da schwingen die Glocken von Trakl und Brus, aber da ist auch Reality. Bernhards Gemurmel, Gesang und Schreie sind sprachliche Gesten von heute. Um das geht es in den Bildern von Matthias Bernhard – sie klingen. Veit Loers

MATTHIAS BERNHARD geboren 1985 in Kitzbühel/T | 2007–12 Akademie der bildenden Künste Wien (Gunter Damisch) | 2006–07 Universität für angewandte Kunst Wien (Sigbert Schenk) | 2006–07 Kunstgeschichte, Universität Wien / HTL für Grafik + Design, Innsbruck

Öffnungszeiten

Dienstag, Mittwoch Fr 11-18 Uhr Donnerstag 11-20 Uhr | Samstag 11-16 Uhr
Sonntag, Montag und Feiertage geschlossen
Eintritt frei

Eröffnung: Mo, 10. März 2014, 19:00
zur Eröffnung spricht: Andreas Mailath-Pokorny


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