Film

Martin Scorseses World Cinema Project


Das World Cinema Project wurde 2007 von Martin Scorsese ins Leben gerufen, um eine möglichst weit gefasste Idee von Filmgeschichte zu bewahren. Exemplarische Werke aus Afrika, Asien, Süd- und Mittelamerika sowie Osteuropa werden restauriert und dem zeitgenössischen Publikum erneut bzw. erstmals zugänglich gemacht. Obwohl die meisten dieser Filme zu ihrer Zeit weltweit gefeiert wurden und in der relevanten Literatur als kanonisch gelten, sind sie heute kaum mehr bekannt.

Die Filmauswahl besorgt primär ein Komitee bekannter Regisseure aus den verschiedenen Erdteilen, die Restaurierungsarbeiten finden fast durchwegs an der Cineteca di Bologna statt. So versammelte das WCP über die Jahre eine reiche und durchaus ­eklektische Schar von Filmen, in der etwa eine frühe Miniatur von Ousmane Sembène unmittelbar neben Edward Yangs epochalem Fresko A Brighter Summer Day zu liegen kommt. Als schillernde Verkörperung all dessen, was World Cinema sein kann, führt der Bogen von Mário Peixotos Avantgarde-Inkunabel Limite (Brasilien 1931) über Kim Ki-youngs brachialen Pulp-Alptraum Hanyo ­(Süd­korea 1960) bis zur Kinomoderne der 60er und 70er Jahre. Fern von den „Kunsthauptstädten“ des Westens bildeten sich damals autonome Zentren einer kulturellen Erneuerung, z. B. in Senegal (Djibril Diop Mambéty), im Iran (Bahram Beyzai) oder auf den Philippinen (Lino Brocka).

Ein Bezug zu Österreich ist in diesem Programm nicht nur durch Fred Zinnemann, den Co-Regisseur von Redes, gegeben, sondern auch durch die Restaurierung von Apichatpong Weerasethakuls ­Debütfilm Mysterious Object at Noon. Sie wurde vom Filmmuseum betreut und ist nun, nach der Präsentation bei der Biennale in Venedig, erstmals auch in Wien zu sehen.


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