Kunstausstellung

Markus Guschelbauer - Enclosed Islands


„Enclosed Islands“ nennt Guschelbauer seine aktuelle Präsentation, die hoch komprimiert die erwähnten komplexen Beziehungen in den Brennpunkt rückt.

Der Titel lässt an das Projekt „Surrounded Islands“ denken, das Christo und Jeanne- Claude Anfang der 1980er-Jahre in Florida realisierten. Die beiden schlossen damals elf Miniinseln in der Biscayne Bay mit pinkem Polypropylen ein, machten die Inseln so mehr oder weniger erst sichtbar und verwiesen auf ihren Kontext – die Inseln waren künstlich aufgeschüttet und vor allem als Müllhalden verwendet worden. Die Teile und das Ganze hatten plötzlich wieder etwas miteinander zu tun. Die Realität einer Überflussgesellschaft wurde als ästhetisches Erlebnis wahrnehmbar gemacht. Guschelbauers „Enclosed Islands“ bewegen sich ebenfalls, wie viele seiner bisherigen Arbeiten, im Spannungsfeld von, etwas pathetisch ausgedrückt, Wahrheit und Schönheit. Beides sind, wie man weiß, äußerst schwer zu definierende Begriffe, heikle Begriffe, auch deshalb, weil sie leicht verbogen und missbraucht werden können. Aber, wie Kunst immer wieder zeigt, ist es kein unversöhnliches Begriffspaar. Kunstwerke, die schön sind, können wahr sein. Ästhetik schließt Kritik nicht aus. Auch attraktive Oberflächen können rau sein.

Mit den Bildern dieser Ausstellung, „stillen“ und leicht bewegten, führt der Künstler in eine Wirklichkeit, in denen das Absolute der Definitionen „natürlich“ und „künstlich“ in Frage und zur Diskussion gestellt wird. Wie „natürlich“ ist eine Fichtenmonokultur? Wie natürlich ist ein gepflanztes, fachkundig geschnittenes Pfirsichbäumchen? Wie wahr ist die Behauptung, dass Schönheit natürlich „natürlich“ sein muss? Die Raffinesse von Guschelbauers Strategie liegt darin, dass er zeigt, wie wenig zielführend es ist, eine scheinbare Dichotomie – was leicht wäre – vordergründig zu bebildern. Die Stirn zu runzeln, den Zeigefinger zu heben. Vielmehr nutzt er das komplementäre Wesen des vermeintlich Gegensätzlichen und kommt dadurch zu Ergebnissen, bei welchen, um einen Begriff aus der Mengenlehre zu verwenden, die Schnittmenge von Natur und Kunst beachtlich ist. Die Teile sind nicht ohne das Ganze zu haben, das Ganze erhält seinen Sinn erst durch seine Teile.
http://www.markusguschelbauer.com/



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