Vortrag

Marjorie Agosín: Frauen im Fokus politischer Gewalt


"Ich bin mein Haus, mein Leuchtturm und meine Geschichte"

Zwischen Auschwitz und Pinochet, zwischen Anne Frank und den Müttern der Plaza de Mayo bewegen sich die Gedichte von Marjorie Agosín – und die Geschichte ihrer eigenen Familie.
Die aus Wien stammende Urgroßmutter Helena Broder konnte sich 1939 vor den Nazis nach Chile flüchten, nach Valparaíso, wo ihr Sohn Joseph schon auf sie wartete. An einem Ort, dessen Name „Paradiestal“ bedeutete und wohin die Liebe ihn verschlagen hatte. Doch die Vertreibung aus diesem chilenischen Eden sollte nicht lange auf sich warten lassen: Als die Militärs 1973 putschten, hieß es wieder weiterwandern, diesmal in die USA. Chile ist für die damals 18Jährige ein Sehnsuchtsort geblieben.

„Ich bin mein Haus, mein Leuchtturm und meine Geschichte“, lässt die Dichterin ihre Vorfahrin in einem poetischen Text über den Exodus sagen, der ihr das Leben rettete, während viele Verwandte in Konzentrationslagern umkamen. „Poesie ist die Geschichte der Liebe“, heißt es hier auch. Diese „Strategie“ wendet Agosín als preisgekrönte Lyrikerin, als Professorin am Wellesley College und Menschenrechtsaktivistin an: niemals die Folterer, „die trägen Henkersknechte“, die „Bürokraten auf ihren blutverschmierten Schreibtischen“ die Oberhand gewinnen lassen. Sie hat nichts als das Wort, und dieses setzt sie ein als „Lichtgesänge“, als „Engel der Erinnerung“, als „Münder der Liebe“. Denn neben engagierten Texten hat die Chilenin auch erotische Gesänge verfasst, in welchen die Lebensfreude, die Ausstrahlung und Tatkraft von Frauen besungen werden.

Moderation und Dolmetschung: Ao.Univ.Prof.in Mag.a Dr.in Erna Pfeiffer

Taller Creativo de Literatura:
Moderation und Dolmetschung:
Prof. Dr. Roberta Maierhofer M.A. und Mag. Xaver Daniel Hergenröther


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