Kunstausstellung · Fotografie Ausstellung

Mario Giacomelli - Gegen die Zeit


Unverwechselbar und von fast schmerzlicher Intensität sind die Bilder von Mario Giacomelli (1925-2000), einem der international bekanntesten italienischen Fotografen der Nachkriegszeit.

Angeregt durch das Kino des Neorealismo wandte sich der bis dato mit Malerei und Literatur experimentierende gelernte Schriftsetzer und Drucker in den 1950er-Jahren der Fotografie zu und entwickelte eine höchst eigenständige, von grafischer Abstraktion geprägte Bildsprache. Seine nahezu ausnahmslos in Serien konzipierten Arbeiten verbinden Elemente der Reportage mit lyrischer Subjektivität und einer zeichenhaften, in ihren harten Schwarzweiß-Kontrasten fast kalligrafischen Ästhetik. Ausgehend von den Menschen und der Landschaft seiner mittelitalienischen Heimat verhandeln Giacomellis Bilder stets die Grundfragen der Existenz: Tod und Leben, Glaube und Liebe, das Verhältnis des Menschen zu seinen Wurzeln, die Spuren der Zeit.

Zu seinen bekanntesten Motiven zählt die Fotografie einer Gruppe junger Priester, die in ihren Soutanen einen Reigen im Schnee tanzen – ein Moment der Unschuld, dem der Verlust bereits eingeschrieben ist. Giacomellis aus dem Flugzeug geschossene Aufnahmen des Ackerlands um seinen Geburtsort Senigallia lösen die Felder in malerische Liniengeflechte auf und zeigen die Landschaft als eine vom Menschen und der Zeit gezeichnete. Einerseits Ausdruck eines persönlichen Empfindens, verkörpern diese Bilder zugleich eine klare, kühne und konzeptuell wegweisende Haltung.


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