Kunstausstellung · Fotografie Ausstellung

Mario García Torres – An Arrival Tale


Der mexikanische Künstler Mario García Torres (geboren 1975 in Monclova, Mexiko) wendet investigative künstlerische Strategien an, um in Archive, Landschaften und Orte eingeschriebene und verborgene Geschichten und Narrative offenzulegen und die Beschaffenheit und Begrenztheit historischer Aufzeichnungen und Objekte aufzuzeigen.

Dabei tauchen in seinem Werk verschiedene Erzähltechniken wie fiktive Briefwechsel, Reportage und Icherzählung auf, die Formen der Aneignung, der Wiederaufführung und der Wiederholung des Geschehenen oder dessen innewohnenden Potenzialitäten inszenieren. Die Ausstellung An Arrival Tale in der Thyssen-Bornemisza Art Contemporary–Augarten (TBA21) löst mit einer konzeptuellen Geste die Arbeiten des Künstlers in der TBA21-Sammlung aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen und Fixierungen und öffnet sie als Sammlung von Erzählungen und künstlerischen Experimenten für neue Einschreibungen. „An Arrival Tale argumentiert anhand meiner Arbeiten aus der TBA21-Sammlung, dass der Raum der Ankunft, dieser Raum in dem man sich selbst neu erfinden kann, ein spannender sein könnte und dass er historisch betrachtet ein Ort des Aufbruches war”, so García Torres.

An Arrival Tale steht im Zusammenhang mit dem Engagement von TBA21 in Bezug auf den gegenwärtigen Moment sozialer Transformation und angesichts der Bedingungen kontinuierlicher globaler Mobilität und Vertreibung. Die Ausstellung sammelt, beschreibt und kompliziert verschiedene Narrative von Exil und Migration und umspannt dabei unterschiedliche historische Momente und Kontexte. In Anlehnung an Paolo Virno lassen sich diese Geschichten sowie die Geschichte des Exils an sich als „aktiver und engagierter Rückzug” lesen, dessen Ziel, neue Gemeinschaften zu gründen sich nicht als aktiver Widerstand gegen eine unterdrückende, hegemoniale Macht formiert. Die konzeptuelle Geste Geschichte(n) neu und außerhalb von Macht- und Gewalthierarchien zu denken schmälert nicht das Ausmaß des der Migration innewohnenden Traumas. Vielmehr ist diese Geste als investigative Aufforderung konzipiert, als Vorschlag über den Zusammenhang von Aufbruch, Ankunft und Rückkehr nachzudenken – jene eng mit Begriff des Exils verbundene Tropen. Raum zu schaffen für Fragen und Perspektiven – auch im Dialog mit MigrantInnen und AsylwerberInnen in Österreich –, ermöglicht eine Untersuchung der Realität, der Begehren und der Komplexitäten von Vertreibung und Mobilität.

Die Neusetzung des Rahmens der Ausstellung selbst soll neue Lesarten und Erfahrungsperspektiven eröffnen und folglich das Denken über Möglichkeiten von Neuerfindung und Transzendenz, die sich im Begriff des Ankommens verankern, ermöglichen. An Arrival Tale wird von zwei narrativen Momenten getragen – dem der Ankunft und der Rückkehr –, die sich anhand zweier Arbeiten entfalten: ersteres durch Tea und letzteres durch eine neue Auftragsarbeit, The Way They Looked at Each Other, die auf einer 2012 unter dem gleichen Titel im Frieze Magazine publizierte Recherche basiert. García Torres’ Arbeiten sowie die Ausstellung selbst hinterfragen Narrative, indem sie gleichermaßen den Blick zurück richten und historische Beschreibungen komplizieren sowie nach vorne schauen und neue Möglichkeiten und Entfaltungen entwerfen.

Was sind die tatsächlichen Bedingungen, was sind die Träume, die politischen Ereignisse, die sich in die Körper der Menschen und in ihre Bewegungen einschreiben? Was bleibt zurück und was wird von Neuem erfüllt? Ist die Ankunft ein Neuanfang oder wird sie implizit von Herausforderungen der Absenz und Entkörperung verfolgt? Der Akt der Dislozierung seines existierenden Oeuvres und dessen Epistemologie stellt eine Art verquere Archäologie von García Torres’ eigener Praxis dar, die es in der Ausstellung erlaubt, seine zu unterschiedlichen Zeiten entstandenen Arbeiten im Kontext der heutigen politischen Situation und der ihr innewohnenden Erfahrungen zu deuten.


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