Alte Musik · Klassik

Mala Punica - Liturgische Musik des Codex Faenza


„Wir spielen die Musik, wie sie war, bevor sie von Verboten eingeschränkt und sogar kriminalisiert wurde“, kündigt der Flötist und Musikforscher Pedro Memelsdorff einen unerwarteten klanglichen, harmonischen und melodischen Reichtum an, wie man ihn von überlieferten Werken an der Wende von Mittelalter in die Neuzeit niemals erwarten würde. Der „Codex Faenza“: ein Buch mit Ledereinband, im Format etwas kleiner als A4, 100 Seiten handbeschrieben auf dunkelgelbem Pergament. Darauf befindet sich die erste schriftliche Überlieferung, wie damals bei Messen instrumental gespielt wurde. Die Vokalstimmen hatten die gregorianischen Melodien aus den Choralbüchern zur Grundlage.

Im Codex Faenza sind „viele Seiten in sehr kleiner Schrift als Partitur vollgeschrieben, man sieht Notationen mit ganz schnellen Läufen“, so Memelsdorff, „wir können daraus ableiten, wie verzierungsreich damals auf den Instrumenten musiziert wurde, mit welch großem Verständnis von Kontrapunkt, wie avantgardistisch, frei und phantasievoll.“ Genau diese musikalische Sprache hat aber nicht lange überlebt, „weil im Zuge der Reformen geistlicher Orden vieles verboten wurde“, blickt Memelsdorff zurück, „so durfte zum Beispiel kaum mehr mit Instrumenten in der Kirche musiziert werden. Wenn Mönche es dennoch taten, wurden sie bestraft.“

Viele in den Notenbüchern ausradierte und überschriebene Passagen im „Codex Faenza“ konnten dank hochmoderner Computertechnologie wieder rekonstruiert werden. In Wilten sind nun Sätze aus Messen und Vespern zu hören, deren instrumentale Parts jahrhundertelang schriftlich gar nicht existiert haben.

Pedro Memelsdorff

Blockflöte & Musikalische Leitung
Mala Punica

Barbara Zanichelli, Anne-Kathryn Olsen (Sopran)
Markéta Cukrová (Alt)
Gianluca Ferrarini, Raffaele Giordani (Tenor)
Pablo Kornfeld, David Catalunya (Orgel & Clavicymbalum)
Guillermo Pérez (Orgelportativ)
​Helena Zemanová (Fiedel)


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