Alte Musik · Klassik

Mala Punica


Von ganz und gar unheiligen Fehden war die katholische Kirche im 14. Jahrhundert bis ins Mark erschüttert: Konflikte zwischen Königtum, päpstlichem Universalismus und dem Kardinalskollegium mündeten nach jahrzehntelangem Schwelbrand im Streit um die alleinige Vorherrschaft im großen abendländischen Schisma. In der Wahl der Mittel, die Konkurrenten auszustechen, war man nicht zimperlich: Am Höhepunkt der Krise waren es gar drei Päpste, die ihre Residenzen zu Bollwerken der Macht ausbauten und die spitze musikalische Feder der besten Sängerkomponisten für sich zu nutzen wussten. Unter ihnen finden sich so klingende Namen wie die eines Antonio Zacara da Teramo und Johannes Ciconia. Schillernde Einblicke in den mittelalterlichen Kirchenkrimi gewährt das Ensemble Mala Punica - thrill and suspense guaranteed!

Interpreten
Mala Punica, Ensemble
Pedro Memelsdorff, Blockflöten, Leitung

Programm
«Gegen-Stimmen: Musik aus der Zeit des Großen Schisma»
Anonymus
Kyrie
Johannes Ciconia
Gloria (1425) ca.)
Antonio Zacara da Teramo
Gloria
Credo

Anonymus
Universi que te expectant / Graduale im gregorianischen Choral
Ego sum pastor bonus / Alleluia im gregorianischen Choral
Domine ad adiuvandum (Instrumental)
Ave regina caelorum, o decus innocentie (1504))
Sanctus
Sanctus
Johannes Ciconia
Ut te per omnes / Motette (?)
Matteo da Perugia
Gloria
Ave sancta mundi salus / Motette «Agnus Dei» (1410) ca.)
Anonymus
Ochi piangete (?)
Ha fortune (14./15. Jh.)
Par che la vita mia (?)

«Aus einem Querkopf wird selten ein Versager», meint der schriftstellernde Kinder- und Jugendpsychiater Paulus Hochgatterer. Dieser Auffassung können wir uns nur anschließen. Querköpfe denken anders, leben unangepasst und stoßen auf Widerstand.

In Wissenschaft und Kunst sind sie, «die ewigen Kinder», oft identisch mit den verschrobenen Genies, die ja bekanntlich nah am Wahnsinn leben sollen. Einer von ihnen war der 1690 in Florenz geborene Komponist und Geigenvirtuose Francesco Maria Veracini, dessen Oper «Adriano in Siria» die «Resonanzen» 2014 und damit unsere Parade kreativer Störenfriede in der Musik vom Mittelalter bis zum Barock eröffnen wird.

In ihren verschiedenen Ausprägungen begegnen uns Querköpfe bei diesen «Resonanzen» aber nicht nur als schrullige bis durchgeknallte Komponisten vom Format eines Jan Dismas Zelenka, Carlo Gesualdo, Alexander Agricola oder William Lawes; sie mischen sich auch – mehr oder weniger diskret – unter die Ausführenden: Europa Galante, Hopkinson Smith, Hiro Kurosaki, Concerto Copenhagen und viele andere Publikumslieblinge machen gemeinsam mit den Debütantinnen und Debütanten des britischen Gambenconsorts Phantasm, der deutschen Capella de la Torre und des Prager Collegiums 1704 Front gegen den musikalischen Mainstream – damals und heute.


Vergangene Termine