Literatur · Theater

Maja Haderlap & Julia Malischnig


Maja Haderlaps Roman "Engel des Vergessens" (Wallstein) ist gleich mehrfach spät gekommen: Es ist 2011 das Prosadebüt einer Autorin von 50 Jahren, angesehen als Lyrikerin, Dramaturgin und Redakteurin. Die Rekonstruktion ihrer Dorf- und Familiengeschichte ist die literarisch präzise Ethnographie einer slowenisch-kärntnerischen Kindheit im Zeichen von Tortur, Verfolgung und Widerstand – gegen den Nationalsozialismus und die fortgesetzten Erniedrigungen im Alltag nach 1945. Ein – spätes – Grundbuch also auch für die literarische und politische Alphabetisierung Österreichs, traurig, zornig und zart. In der Reihe der österr. Provinz-Romane mit scheiternden männlichen Protagonisten ist Engel des Vergessens aber auch ein später „Selbstversuch“, wie man als Frau unter solchen Diskriminierungen überhaupt zu einer Bildung kommen kann. (Karl Wagner)


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