Alte Musik · Klassik

Magnificat Anima mea Dominum/ Venezianische Marienvesper


Als monumentaler Zyklus ist uns Claudio Monteverdis Vespro della Beata Vergine (1610) bestens bekannt. Er zeigt uns damit eine Musik für die Liturgie, wie sie zu Beginn des 17. Jahrhunderts nicht moderner hätte sein können. Auch heute noch zieht uns dieses in seiner Vielfalt an musikalischen Formen faszinierende Werk in seinen Bann und prägt unsere Vorstellung vom Reichtum frühbarocker venezianischer Kirchenmusik. Tatsächlich aber vermitteln uns Gesamtaufführungen von Monteverdis Marienvesper nur sehr bedingt ein Bild von der kirchenmusikalischen Praxis dieser bewegten Zeit, und es ist mehr als fraglich, ob er sie je in der Form zur Aufführung brachte, wie wir sie heute zu meist erleben, wollte er sich doch mit dem berühmten Druck des Jahres 1610, der eine Messe im alten und eben jene Marienvesper im modernen Stil enthält, bei Papst Paul V. als Komponist empfehlen.

Unbestritten ist hingegen, dass Monteverdi einer jener italienischen Komponisten war, die durch ihr Schaffen spätere Musikergenerationen nachhaltig geprägt haben. Schon zuvor bestand ein reger Kulturaustausch zwischen Italien und den nördlicheren Ländern Europas, der sein wohl prominentestes Beispiel in der Lehrzeit von Heinrich Schütz bei Giovanni Gabrieli in Venedig fand. Doch auch später zog es viele deutsche Musiker nach Italien, wo sie den stile nuovo aus erster Hand kennen lernen wollten.

Einer von ihnen war Johann Rosenmüller (1617 – 1684), der in Leipzig als Organist an der Nikolaikirche, Lehrer an der Thomasschule sowie als Musiker im Umfeld der Universität wirkte und bereits 1645/46 erstmals nach Italien reiste. Ab 1658 hielt sich Rosenmüller nach seiner überstürzten Flucht aus Leipzig, wo er sich mit dem Vorwurf der Päderastie konfrontiert sah, ständig in Venedig auf. Bis 1682 ist er dort in verschiedenen Positionen nachweisbar, etwa als Posaunist an San Marco oder als Chormeister am Ospedale della Pietà. Vor allem jedoch etablierte er sich in diesen Jahren als geachteter Komponist. Es entstand eine Fülle an lateinischer Kirchenmusik, darunter viele Psalmvertonungen in großen Besetzungen, in denen er den modernen italienischen Konzertstil mit der kontrapunktischen Schreibart deutscher Schule zu einer besonderen Synthese führte.

Für dieses Konzert haben wir aus den Psalmkompositionen Rosenmüllers je eine Vertonung jener fünf Psalmen ausgesucht, die für die Vesper an einem Marienfest vorgesehen sind. In unterschiedlichen Besetzungen zeigen sie die ganze Bandbreite dessen auf, was eine ambitionierte Hofkapelle in der zweiten H.lfte des 17. Jahrhunderts zu leisten vermochte. Einen besonderen Höhepunkt verspricht das große vierchörige Magnificat, das zu den reifsten Werken Rosenmüllers gezählt wird. Selbstverständlich griff man früher bei der Zusammenstellung von Vespermusiken nicht nur auf die Musik eines einzigen Komponisten zurück. So entspringt unser Entschluss, alle fünf Psalmen und das Magnificat in Vertonungen Johann Rosenmüllers zu musizieren, weniger einer realen historischen Situation als vielmehr dem Wunsch, unserem Publikum diesen großen Komponisten in aller Ausführlichkeit vorzustellen. Mit Orazio Tarditi und Massimiliano Neri nehmen wir aber noch zwei weitere Komponisten in das Programm auf, die zeitgleich mit Rosenmüller in Venedig wirkten. Folgen Sie uns also auf dieser Zeitreise in das Italien der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, hinein in die Klangpracht einer venezianischen Festmusik innerhalb der Vesper an einem Marienfeiertag.

Johannes Strobl

Ulrike Hofbauer, Hanna Herfurtner – Sopran
Margot Oitzinger, Ida Aldrian – Alt
Hans Jörg Mammel, Jan Petryka – Tenor
Jonathan de la Paz Zaens, Ulfried Staber – Bass
Les Cornets Noirs
Bork-Frithjof Smith, Gebhard David – Zink
Simen van Mechelen, Henning Wiegräbe,
Joost Swinkels – Posaune
Wolfgang Gaisböck – Trompete
Cosimo Stawiarski, Regula Keller – Violine
Johannes Frisch, Sarah Giger – Viola
Mélanie Flahaut – Dulzian
Matthias Spaeter – Theorbe
Tore Eketorp – G-Violone
Johannes Strobl – Orgel & Leitung


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