Alte Musik · Klassik

Long Live Fair Oriana!


In diesem Jahr feiert die Königin von England, Ihre Majestät Queen Elizabeth II., ihren 90. Geburtstag und ist somit auch die am längsten regierende Monarchin der britischen Geschichte, sind doch seit ihrer Thronbesteigung immerhin schon beachtliche 64 Jahre ins Land gezogen.

Dennoch würde es wenig Sinn machen, wenn die trigonale als Festival der Alten Musik der englischen Monarchin ein Konzert aus Anlass ihres Wiegenfestes widmen würde, ist doch Österreich weder Mitglied des Commonwealth of Nations noch liegen uns aus dem Buckingham Palace gesicherte Informationen über einen geplanten trigonale- Besuch der Jubilarin vor.

Viel naheliegender ist hingegen, sich ihrer Namensvetterin Elizabeth Tudor (1533–1603) – oftmals auch als Elizabeth I., The Virgin Queen oder Gloriana bezeichnet – zuzuwenden, war jene doch selbst eine versierte Musikerin, die nicht nur die Laute und das Virginal zu spielen wusste, sondern – wie uns überliefert ist – sogar noch im fortgeschrittenen Alter regelmäßig und mit großer Begeisterung die schwungvolle Gaillarde zu tanzen pflegte.

Elizabeth beschäftigte an ihrem Hof eine Vielzahl bedeutender Komponisten und Musiker von den britischen Inseln und aus dem Ausland, wobei ihren Landsmännern Thomas Tallis (1505–1585) und William Byrd (1543–1623) ohne Zweifel eine besondere Rolle zukam. Beide wurden nicht nur mit der Auszeichnung Gentleman of the Chapel Royal bedacht, 1575 übertrug ihnen die wohlwollende Herrscherin auch das Monopol zum Drucken von Musik sowie von Schriften über Musik. Mit Alfonso Ferrabosco (1575–1628) und Augustine Bassano (ca. 1526–1604) standen weiters zwei Komponisten italienischer Abstammung in Diensten des Hofes, doch auch die französische Kultur spielte eine wichtige Rolle in der englischen Gesellschaft jener Zeit. So fanden beispielsweise Chansons von Claudin de Sermisy (ca. 1490–1562) und Orlando di Lasso (1532–1594) Eingang in englische Handschriftensammlungen und wurden von heimischen Musikern bearbeitet und ausgeschmückt.

Die musikaffine Königin pflegte jeden Sommer London zu verlassen und begab sich auf Rundreise durch ihr Königreich, um die Landsitze ihrer Hofedelleute zu besuchen, wo sie mit Liedern apt for voyce and vialls (geeignet für Singstimme und Gamben) unterhalten werden wollte. Immer wieder wurden auch für besondere Anlässe – wie zum Beispiel die Feiern zum Jahrestag ihrer Thronbesteigung – Kompositionen in Auftrag gegeben, und gegen Ende ihrer langen Regierungszeit veröffentlichte Thomas Morley (ca. 1557–1602) im Jahr 1601 unter dem Titel The Triumphs of Oriana zu Ehren von Elizabeth gar eine Sammlung von Madrigalen vieler der damals führenden englischen Komponisten.

Das Rose Consort of Viols, eines der renommiertesten Gambenconsorts unserer Tage, die wunderbare französische Sopranistin Claire Lefilliâtre – sie ist auch Titelheldin der heurigen trigonale – sowie die unserem Publikum schon seit 2009 ans Herz gewachsene englische Mezzosopranistin Clare Wilkinson mit ihrer unvergleichlichen Stimme lassen für uns die erstaunlich reiche Vielfalt und Tradition des Musizierens im goldenen elisabethanischen Zeitalter zu neuem Leben erwachen.

Elegante Tänze von Anthony Holborne, Augustine Bassano, Thomas Morley und John Dowland, »Songs in the Queen’s Praise« von William Byrd und Edward Johnson sowie Musikstücke aus den Choirboydramas – den Bühnenwerken ihrer Sängerknaben, deren Aufführungen Elizabeth so gerne beiwohnte – erklingen an diesem Abend ebenso wie instrumentale Fantasien ihrer Hofkomponisten, in denen das komplexe Zusammenspiel der Gamben in besonderer Weise zur Geltung kommt, sowie Lobeshymnen auf die Monarchin in Vertonungen von Komponisten, deren Werke sich auch in The Triumphs of Oriana finden.


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