Pop / Rock

Liturgy + Eric Arn vs. Jung an Tagen


Liturgy stammen aus Brooklyn und ihre Musik, die beschreiben sie als metaphysischen Black Metal. Ihre sehnsuchtsvollen, energetischen Songs bewegen sich irgendwo zwischen Avant-Rock, Black Metal, Kunst und schamanischem Ritual. Angeführt von Hunter Hunt-Hendrix, Songschreiber und konzeptioneller Architekt der Band, und vervollständigt von Gitarrist Bernard Gann, Bassist Tyler Dusenbury und Schlagzeuger Greg Fox, verstehen Liturgy sich als Gesamtkunstwerk des 21. Jahrhunderts: Mit den Mitteln Musik und Kultur aktivieren sie göttliche Mächte, wenngleich der Widerspruch, der so einem Projekt in unserem Internet-Zeitalter innewohnt, dadurch unterstrichen wird. Ihr drittes Album The Ark Work ist ein Quantensprung nach vorne, ein radikaler Sound-Wandel – und klingt dabei paradoxerweise doch mehr nach Liturgy als je zuvor.

Dank der schöpferischen Arrangements von Hunt-Hendrix wummern und peitschen die Songs nur so – verziert mit Glockenspiel, Dudelsack, Streichern, rituellen Chören und MIDI Bläsern. Das Metal-Grundgerüst wird dabei durch Motive aus völlig unähnlichen Genres ergänzt und mit Hardstyle Beats, Okkult-orientiertem Rap und Re-Sampling aus der IDM (Intelligent Dance Music) quasi fremdbestäubt. Dazu kommen Strukturen mittelalterlicher, sakraler Musik, romantischer Klassik und aus dem Minimalismus. Das Resultat ist eine reiche, brodelnde Cyber-Fantasie, die unwahrscheinlich eingängig ist und dieses entwaffnende, authentische Gefühl vermittelt, das längst zum Markenzeichen von Liturgy geworden ist: eine Mischung aus verblüffender Fantasie, höchstem musikalischen Können, roher Energie und profunder, kosmischer Traurigkeit.

Liturgy begann einst als Soloprojekt von Hunter Hunt-Hendrix und er ist bis heute alleiniger Songwriter der Band. Nach ein paar in Eigenregie veröffentlichten Kassetten wurde das Projekt schließlich ernst, als 2008 die erste Liturgy-EP Immortal Life erschien. Die Ziele, die Hunt-Hendrix sich damals setzte: den typischen Genre-Grenzen des Metal – auch in Sachen Blastbeat Drumming und Tremolo – eine neue, lebensbejahrende künstlerische Ausrichtung zu verpassen und die Band als visionäres Performance/Kunst/Lebens-Projekt in Echtzeit zu betrachten. Für die Aufnahmen des 2009 veröffentlichten Albums Renihilation wuchsen Liturgy schließlich zum Quartett an. Ihre leidenschaftliche und geschlossene Live-Performance, vor allem der unorthodoxe und dynamische Drum-Stil von Fox, verschaffte ihnen sowohl im weltweiten Metal-Underground als auch in der Art-Punk-Szene Brooklyns schnell eine treue Anhängerschaft. Für eine Kontroverse aber auch für Interesse eines größeren Kreises sorgte das „Begleitstück“ zu Renihilation: der Text Transcendental Black Metal: A Vision of Apocalyptic Humanism, den Hunt-Hendrix im gleichen Jahr zu dem mittlerweile legendären Taschenbuch Hideous Gnosis Black Metal Theory Symposium beisteuerte.

Mit der Veröffentlichung von Aesthethica im Jahr 2011 entfachte die Reibung zwischen den verschiedenen Welten, die Liturgy ausmachen, schließlich Feuer. Die Band spielte auf den wichtigsten Festivals vor großen Menschenmengen, aber auch in Kunst-Institutionen wie dem MoMA, wo Hunt-Hendrix sein Manifest neben einer Skulptur von Joseph Beuys zum Besten gab. Aesthethica wurde vom Magazin Spin zum besten Metal-Album des Jahres gewählt und tauchte außerdem in zwei unterschiedlichen Top-10-Listen der New York Times für das Jahr 2011 auf. Sogar auf das Cover des Metal-Hammer-Ablegers Subterranea schafften Liturgy es. Für die folgenden zwei Jahre wurde die Live-Band dann zum Duo, während Hunt-Hendrix sich bereits an den langen Songwriting-Prozess machte, der schließlich in The Ark Work enden sollte. 2012 kehrten Fox und Dusenbury zurück um gemeinsam mit Hunt-Hendrix und Gann das Album aufzunehmen und ihre dynamische Energie beizusteuern. Das Ergebnis ist nun die erste echte akustische Umsetzung von Transcendental Black Metal: Eine musikalisch zusammenhängende, alchemistische Fusion und ein schier unglaubliches Album, das so einfallsreich wie makellos ist.

Der amerikanische Gitarrist Eric Arn folgt seit über zwanzig Jahren den weitesten und extremsten Methoden von Avant Rock, Improvisation, Drone und Psychedelia. 2005 hat es ihn nach einer langen Wanderung über Boston, Kalifornien und Texas in so illustren Projekten wie Crystallized Movements, Primordial Undermind oder Outer Vertex ins nahe Wien verschlagen, wo er seit 2013 Soloalben auf Lotus Sound veröffentlicht.


Vergangene Termine