Tanz · Theater

Liquid Loft - Church of Ignorance


In Church of Ignorance wird die mächtige Dominikanerkirche vorübergehend zu einem Marktplatz wilder Sprachen, zu einer Art begehbaren, performativ genutzten babylonischen Bibliothek.

Der Körper ist in diesem Spiel zunächst nur „Corpus“ – Reservoir und Speicher von Slangs und Dialekten aus ganz Europa. Denn der Körper, so lautet eine gängige These, lüge nicht; er dient hier, in diesem Sinne, als Sensorium und Transkriptor fremder Laute und Geräusche.

Die Worte, die während der Liturgie der Church of Ignorance zum Einsatz kommen, sind kaum zu verstehen, aber die Zeichen der Körper, die Ergebnisse des Momentanen, Unwiederholbaren der gestisch-mimischen Kommunikation sind deutlich zu entziffern. Die Liquid-Loft-Performer tragen Klangspuren fremder Zungen, Wesen und Orte mit sich, rufen Soundtrack-Sequenzen auf, die sie tänzerisch bearbeiten, modulieren, ergänzen. Was zunächst wie babylonisches Sprachengewirr erscheinen mag, wird durch Granular- und Mikro-Sampling-Techniken zu einer Form der Verständigung, die viel mehr ist als ihre rein sprachliche Bedeutung. Fragen der Identität werden wie Mantren verhandelt, Gesichter verhüllt und Körperteile künstlich erweitert. Die vielfältigen Sprachskulpturen bringen Gestalten hervor, die zu amorphen Wesen transzendieren; zwischen dem erratischen Flow der Silben und dem Esperanto der Bewegungssprache entstehen choreografische Kippbilder und spirituelle Assoziationsräume.

Denn am Ende des Anthropozäns, wenn der Mensch sein Scheitern an der Welt endgültig eingestehen wird, müssen die Perspektiven neu justiert werden, auch (und gerade) jene der Kommunikation. Church of Ignorance ist das utopische Versprechen, der Katastrophe zu entgehen, vielleicht auch zu lernen, die Widersprüche der nachmodernen Welt Schritt für Schritt aufzulösen und mit ihrer immensen Komplexität umzugehen.

Church of Ignorance ist Teil der Projektserie Foreign Tongues. Liquid Loft untersucht die komplexen Interaktionen zwischen sprachlichen Mitteilungen und deren physischen Begleiterscheinungen. Foreign Tongues nähert sich mit dem Vokabular der Körpersprache den oft widersprüchlichen Formen der Kommunikation. Ausgangspunkt für die unterschiedlichen Performances sind Sprachaufnahmen, die im Rahmen persönlicher Interviews in verschiedenen Regionen Europas hergestellt wurden.

Tanz, Choreografie: Luke Baio, Dong Uk Kim, Katharina Meves, Dante Murillo, Anna Maria Nowak, Arttu Palmio, Karin Pauer, Hannah Timbrell
Künstlerische Leitung, Choreografie: Chris Haring
Komposition, Sound: Andreas Berger
Licht Design, Szenografie: Thomas Jelinek
Choreografische Assistenz: Stephanie Cumming
Kostüme: Stefan Röhrle
Libretto: Aoibheann Greenan
Programmtexte: Stefan Grissemann, Thomas Edlinger
Dramaturgische Beratung: Arne Forke
Beratung Ausstattung: Aoibheann Greenan
Internationale Positionierung: APROPIC (Line Rousseau, Marion Gauvent)
Stage Management: Roman Harrer
Foto- und Videodokumentation: Michael Loizenbauer
Produktionskoordination: Christina Helena Romirer
Company Management, Produktionsleitung: Marlies Pucher


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