Vortrag

Liebeswahl oder Liebesbestimmung?


Wie frei ist unsere Liebeswahl? Worin besteht die Macht erotischer Anziehung und wie geht eine Gesellschaft mit dieser im Grunde anarchischen, ‚magnetischen‘ Kraft um? Diese Fragen stellt Goethe ins Zentrum seiner Wahlverwandtschaften und erweitert sie zu einer Hinterfragung der menschlichen Bedingtheit schlechthin. Seine Handlungskonstellation der Liebesverstrickung von vier Personen, die die vielfältigen Gefühls- und Motivationslagen der Figuren offenlegt, ist auch höchst ergiebig für eine heutige literarische Befragung unserer Liebeskonstellationen und deren Zustandekommen. Die Fragen bleiben die gleichen, die Liebesvorstellungen und die literarischen Antworten sind selbstredend andere. Dies soll anhand von zeitgenössischen Romanen von Dieter Wellershoff, Christa Schmidt, Uwe Timm, Ulrich Woelck u.a. illustriert werden, die sich alle am Goetheschen Modell orientieren.

Ao.Univ.-Prof. Dr. Günter Höfler
Institut für Germanistik, Universität Graz

Geb. 1957 in der Nähe von Peter Roseggers Waldheimat, Studium der Germanistik und Romanistik in Graz; Außerordentlicher Professor am Institut für Germanistik der Universität Graz; Lehrtätigkeit u.a. in Dakar (Senegal), Shkoder (Albanien). Mitherausgeber der „Dossier”-Buchreihe über österreichische Autorinnen und Autoren, Aufsätze zu Judentum und Literatur, Ahasvermotiv, Erstem Weltkrieg und literarischer Technikerfahrung, Erzählformen und Gegenwartsliteratur.


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