Literatur · Theater

Liebe, Tod und Tanz


Thomas Lackner liest die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke. Dazu spielen Musiker des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck die "Tanzsuite" von Ernst Toch.

Laut eigenen Angaben schrieb der Dichter Rainer Maria Rilke im Jahr 1899 innerhalb einer einzigen Nacht den Entwurf zu seiner Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke. Diese kurze lyrische Prosadichtung handelt von der Geschichte eines jungen Mannes, der fernab der Heimat stationiert die erste Liebe erfährt und im ersten Feindkontakt fällt. 
 Rilkes Geschichte eröffnete im Jahr 1912 die Reihe der Insel Taschenbücher und wurde seither in 54 Auflagen weit über eine Million Mal verkauft.



Im 1. Weltkrieg, dessen Ausbruch sich heuer zum hundertsten Mal jährt, hatten viele Soldaten das kleine Büchlein im Marschgepäck, da die Geschichte als Verherrlichung des Heldentodes gedeutet und gelesen wurde. Tatsächlich ist das Schicksal des jungen Mannes ein äußerst Tragisches: 
Nach einer ersten Berührung mit der Liebe stirbt er in der Schlacht und hinterlässt Trauer und Leere. 
Die Geschichte wird zu einer Anklage gegen das sinnlose Morden eines jeden Krieges.



Vor 50 Jahren verstarb der heute fast vergessene, in den zwanziger Jahren aber ungeheuer populäre, jüdische Komponist Ernst Toch. Er hat den Dichter Rainer Maria Rilke sehr geschätzt und selbst einige seiner Gedichte vertont. Nachdem es ihm gelungen war vor dem Nazi-Regime zu fliehen, begann er zunächst in England und dann in Hollywood eine zweite Karriere als Komponist für englische und amerikanische Filmproduktionen. 
 Seine 1922 komponierte Tanzsuite op. 31 entstand zwar unabhängig von Rilkes Dichtung, bildet aber innerhalb dieser Zusammenarbeit zwischen Musikern des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck und dem Schauspieler Thomas Lackner in ihrem Wechsel zwischen Zerrissenheit und Fragilität die ideale Ergänzung zu Rilkes Cornet. Die einzelnen Sätze tragen Titel wie „Tanz des Erwachens“ oder „Tanz des Schweigens“. Wort und Musik begegnen sich im Dialog und erzählen gemeinsam von der Verführung und den Schrecken des Krieges.


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