Film

Liebe möglicherweise


Eine Handvoll ganz normaler Menschen in Wien, auf der Suche nach Liebe, Erlösung, Glück, vielleicht. Mit einem deutschsprachigen All-Star-Ensemble (u.a. Otto Schenk, Gerti Drassl, Devid Striesow, Edita Malovcic, Silke Bodenbender) macht sich Regisseur Michael Kreihsl in seinem Episodenfilm auf die Suche nach Sinn und Unsinn des Lebens.

Es gibt diese Vorstellung vom Erwachsensein, die man nur als Kind hat: Erwachsene denken logisch, haben eine Plan, navigieren die gefährlichen Tiefen und Untiefen des Lebens mithilfe vernünftiger Entscheidungen, und vor allem: Sie kennen sich aus. Welch ein Irrtum. Das weiß jeder, der über 20 Jahre alt ist.
Da ist also der verheiratete Familienvater (Devid Striesow), der sich nach seiner völlig überraschenden Kündigung in die maßlos aufregende Geliebte (Edita Malovcic) seines Freundes (Norman Hacker) verschaut. Die wiederum nicht einsieht, wieso sie als Objekt der Begierde das Besitzdenken des Einen beziehungsweise die Midlife-Crisis des Anderen ausbaden soll.
Da ist seine Frau (Silke Bodenbender), eine Ärztin, die sich fragt, warum es bei ihr nie klappt und schon einmal anfängt, die Sachen ihres zukünftigen Exmannes in Kisten zu packen. Seit Monaten hat sie denselben deprimierenden Traum. Und eigentlich würde sie gern seinen Freund küssen.
Da ist ihr Patient, der 14-Jährige, der nach einer dummen Aktion in ein Auto gelaufen ist und seither im künstlichen Koma liegt. Seine verzweifelte Mutter (Gerti Drassl) harrt an seinem Krankenbett aus. Wäre da nicht dieser fremde junge Mann, der ihr zur Seite steht, wäre sie ganz allein.
Da ist der alte Witwer (Otto Schenk), der einmal eine Berühmtheit war und inzwischen einsam und zunehmend vergesslich in seiner Wohnung sitzt. Er kauft Stützstrümpfe, hätte aber lieber eine Pistole. Oder zumindest ein sehr scharfes Rasiermesser. Die Patientenverfügung hat er schon unterschrieben.

Regisseur Michael Kreihsl (HEIMKEHR DER JÄGER), auch für das Drehbuch verantwortlich, hat ein genaues Gefühl für Tempo, Puls und Sound der Stadt. Beobachtet wortlose Blicke, laute Gefühle, Dialoge, die verklingen, die ganz normalen Momentaufnahmen der Großstadt. Jeder lebt für sich allein und doch hängen alle Schicksale zumindest über zwei Ecken zusammen. Mit einer bis in Nebenrollen grandiosen Besetzung (Jana MacKinnon, Christine Ostermayer) teilt er mit Nick Hornby die Erkenntnis, dass es gefährlich wird, wenn Männer Mixtapes basteln (auch wenn das im konkreten Fall eine Gulda-CD ist). In der literarischen Form würde man sagen: Raymond Carver meets Elizabeth Strout. Das passt.


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