Oper

L´enfant / Olympia



Kuchen essen und draußen spielen willl das Kind anstatt seine Hausaufgaben zu machen. Den Ermahnungen der Mutter antwortet es mit Frechheiten. Als die Mutter es daraufhin im Zimmer einsperrt, lässt es seinen Ärger an seinen Büchern und Spielsachen sowie an den Haustieren aus. Die Tapete wird zerfetzt, Möbel werden umgeworfen, das Pendel wird aus der Uhr gerissen, die Katze am Schwanz gezogen und das Eichhörnchen im Käfig gequält. Da werden plötzlich seine Opfer und ihre Artgenossen lebendig und klagen es an: Der Sessel, die Stühle, das zerfledderte Buch und auch die geschundenen Figuren auf der Tapete erwachen zum Leben und bedrohen das Kind. Erschrocken läuft es in den Garten, doch da warten bereits die von ihm gequälte Katze, die Libelle und die Fledermaus. Sie alle fallen über das Kind her, und kämpfen schließlich gegeneinander. Das Kind begreift nun, was es angerichtet hat und nimmt sich eines verletzten Eichhörnchens an. Die anderen Tiere halten inne und sind gerührt über das unerwartete Mitleid.

Was wird aus solch einem Kind, wenn es erwachsen wird? Wird es jemals unterscheiden können zwischen Realität und Fantasie? Im zweiten Teil des Abends ist aus dem Kind der junge Dichter Hoffmann geworden. Er ist bei dem skurrilen Erfinder Spalanzani eingeladen, dessen Leidenschaft es ist, menschenähnliche Automaten zu bauen. Nun will er sein Meisterstück als seine Tochter Olympia vorstellen, musste dafür aber die Hilfe Coppélius’ in Anspruch nehmen, der sie mit menschlichen Augen ausgestattet hat. Bei der Präsentation des neuen Wunderwerks verliebt sich Hoffmann, mit einer speziellen Brille ausstaffiert, in den weiblichen Roboter, kann dieser doch nicht nur hervorragend Walzer tanzen, sondern auch betörende Koloraturen singen. Als der von Spalanzani um seinen Lohn betrogene Coppélius wütend das gemeinsam erschaffene Kunstwerk zerstört, wird Hoffmann unsanft in die Realität zurückgeholt. Kind und Dichter machen einen Ausflug in die fantastische Welt, nur mit einem Unterschied: Der Zerstörungsdrang des Kindes versetzt es in eine seltsame Traumwelt, die es heilt, während die Traumvision der großen Liebe für den Erwachsenen bitter endet.

Maurice Ravel hatte sich in seinem Haus in Montfort-Laumaury in der Nähe von Paris seine eigene Zauberwelt erschaffen, ein mystisches Reich, ein künstliches Paradies, das von Hélène Jourdan-Morhange als kunstvoll eingerichteter Mikrokosmos beschrieben wurde, in dem sich der nur 1,58 Meter große Komponist wie Gulliver gefühlt haben muss. Da gab es selbst entworfene Tapeten, zierliche Möbel, Nippes aus aller Herren Länder, mechanische Nachtigallen, verschiedene Chinoiserien, aber auch schwere Lampen aus Metall, Muscheln, Seesterne, Spielzeugschachteln und unzählige Bonsai Bäume versammelt; ein Ort der wiedergefundenen Kindheit, in dessen Schutz der scheue und hypersensible Komponist flüchtete, um dort in die Träume eines Kindes zu versinken. Hier ist wohl auch der Schlüssel zu vielen seiner Werke zu finden wie etwa der bekannten Suite Ma mère l’Oye, vor allem aber für seine zauberhafte Fantaisie lyrique L’enfant et les sortilèges, die Hans Heinz Stuckenschmidt zu Recht als Ravels „Opus summum“ bezeichnet hat, das nach vielen Mühen am 31. März 1925 unter der Leitung des jungen Victor de Sabata in Monte Carlo uraufgeführt wurde.

In eine eigene fantastische Welt für sich tauchte in seinem literarischen Werk auch der preußische Regierungsrat Ernst Theodor Amadeus Hoffmann ein, dem Jacques Offenbach mit seiner letzten Oper Les contes d’Hoffmann ein musikalisches Denkmal gesetzt hat, basiert doch dessen Libretto auf seinen Erzählungen. Offenbachs letztes Werk gelangte posthum 1881 an der Opéra Comique in Paris zur Aufführung. Entgegen der Behauptung vieler neuen Editionen und quellenkritischer Ausgaben gibt es von dieser Oper keine verbindliche, vom Komponisten autorisierte Fassung, denn Les contes d’Hoffmann ist ein Torso geblieben, niemand vermag zu sagen, in welcher Gestalt, sich Offenbach, dessen 200. Geburtstag wir 2019 gedenken, sein Werk erträumt haben önnte. Es erscheint daher legitim, den Olympia-Akt einmal als eigenständiges Stück losgelöst aus dem Gesamtkonnex zu präsentieren und eine neue Geschichte daraus zu entwickeln.


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