Hip-Hop

Lemur (Ex-Herr von Grau)



Lemurs neues Album „Die Rache der Tiere“ ist ein einziger Abgesang auf den Zustand unserer Gesellschaft. Damit kommt der Meister des Zynismus jetzt live nach Wien.

Auch das ist Lemur: hypersensibel bis bipolar schwankt er von einer glücklichen Phase in einen depressiven, misanthropischen Zustand und wieder zurück. „Auf dieser Platte ist das Gefühl des Aufbruchs in sehr vielen Songs ein Thema. Die Erkenntnis, nach allem Abgründigen, das ich erlebt habe, immer noch am Leben und ziemlich gesund zu sein, und außerdem das machen zu können, was ich liebe, hat viele Zweifel und Ängste besiegt.“

Ein Lemur muss tun, was ein Lemur tun muss. Und diese Lieder, sie müssen eben raus aus ihm. „Ich bin sehr getrieben. Schreiben und produzieren ist bei mir genauso lebenswichtig wie Essen oder Schlafen, wobei der Schlaf oft hinter das Musizieren zurücktreten muss.“ Die Energie richtet er gegen alles, was ihn kaputtmacht – religiöse Konflikte, soziale Gleichschaltung, Online-Zeitverschwendung, der Kater am Montagmorgen. Doch am Ende geht die Sonne auf, auch wenn er sie gar nicht gleich erkennt, zu lange hat er sie schon nicht mehr gesehen. Das Ergebnis: 100% Lemur. Eine musikalische Melange zwischen Boom Bap und Elektronik, wie gewohnt handgemacht, im Vergleich zum Vorgängeralbum „Geräusche“ jedoch gängiger, ohne an Abstraktionsmustern zu verlieren. Er flowt wie der Amazonas, kombiniert komplexe Textpatterns mit Melodie-Elementen und fesselt seine Rapskills auf wummernden Beats. Der Philosoph und wandelnde Wortwitz Marten McFly ist wieder mit dabei, die Rapperin Nazz, der MC FairS – alles Leute, die Lemurs gesellschaftlichen Reimegarten mit ihren Ideen gedüngt haben.

Die vergangenen zwei Jahre waren für Lemur ein künstlerischer Befreiungsschlag, der in „Die Rache der Tiere“ nun seinen Ausdruck findet. "Heute ist es ziemlich egal, vor was für ein Publikum man mich stellt: Ich werde es rocken.“ Man darf auf den Abend im Flex Café also gespannt sein.