Kunstausstellung

Lawrence Weiner


Kunsthaus Bregenz

6900 Bregenz, Karl-Tizian-Platz

Sa., 12.11.2016 - So., 15.01.2017

Mo: Geschlossen
Di: 10:00 - 18:00 Uhr
Mi: 10:00 - 18:00 Uhr
Do: 10:00 - 20:00 Uhr
Fr: 10:00 - 18:00 Uhr
Sa: 10:00 - 18:00 Uhr
So: 10:00 - 18:00 Uhr

1942 in New York geboren, zählt Lawrence Weiner zu den bekanntesten Künstlern weltweit und den Begründern der amerikanischen Conceptual Art.

There are so many varieties of Germanic culture here in Bregenz thatare not mixable, and I see that as a kind of geyser, like anything that builds up enough pressure, you have to lance it or pop it, that’s a geyser, that’s a pimple, a pimple popper. You know, that’s what it is. That’s what philosophy is. Philosophy is a popped pimple. All of these simultaneous cultures are teutonic (of a sort) and if you read tectonic as teutonic plates, one can understand the allusion to the geyser.
Lawrence Weiner, Bregenz, September 2016

Eine Linie zieht eine elegante schwarze Bahn über ein weißes Feld. Sie formt eine weich geschwungene Kurve. Zuvor verzweigt sie sich, die Striche bleiben wie lose Enden. Die Linien sind wie eine Strudelbewegung, eine rasche Geste, eine souveräne Unterstreichung, flankiert von zwei Pfeilen, die in den markanten Farben Gelb und Rot aufwärtstreibende Kräfte darstellen. Schwarz konturiert und optisch robuster, stoßen sie auf die gezogene Spur, auf deren begrenzendes Territorium und in den leeren Raum. Sie bezeichnen ein Kraftfeld und enden dennoch im Nirgendwo. Es geht um Andeutung und Unterlassung, um Reihung, irritierende Begegnung, optische Nähte und die Fluchtbewegung von Wörtern und Zeichen.

Über den Pfeilen ist der Ausstellungstitel zu lesen, WHEREWITHAL in weißen, schwarz konturierten Großbuchstaben. In blauer Farbe steht eine deutsche Übersetzung des englischen Begriffs: WAS ES BRAUCHT. Es geht um das Nötigste, das letzte Auskommen. Ein Werk über die Sprache und nach Weiners Auskunft ein Gedankenbild über den Zustand von Gesellschaft, der Menschen und der Welt heute. Kunst muss Fragen stellen, so Lawrence Weiner bei seinem ersten Besuch im Kunsthaus Bregenz. Wenn sie sich mit Antworten begnügte, geriete sie in die Fallen von Gefälligkeit und einfacher Bebilderung. Es gehe vielmehr darum, Werte zu hinterfragen durch Überblendungen, durch überraschende Wort-Sinn-Beziehungen, visuelle Knappheit und pointierte Zeichen.

1942 in New York geboren, zählt Lawrence Weiner zu den bekanntesten Künstlern weltweit und den Begründern der amerikanischen Conceptual Art. Diese in den 1960er Jahren entstandene Kunstrichtung dachte grundlegend über die Voraussetzungen eines Kunstwerks nach. Sie erörterte die Voraussetzungen für die Möglichkeit von Malerei und Fotografie, für die Beständigkeit der Gattungen, nicht zuletzt die Grenzen der Kunst. Ist es notwendig, dass ein Kunstwerk realisiert wird? Genügt nicht die Idee des Werks, um bestehen zu können? Ist für die Idee eines Werks ein besonderer Autor Voraussetzung? Gewinnt das Werk nicht erst in der Wahrnehmung seine unverwechselbare Einmaligkeit?

Lawrence Weiner wurde am 10. Februar 1942 in der New Yorker Bronx geboren. Nach seinem Highschool-Abschluss in New York verbrachte er die späten 1950er und frühen 1960er Jahre mit Reisen durch Nordamerika (USA, Mexiko und Kanada). Die erste Präsentation seines Werks fand 1960 im kalifornischen Mill Valley statt.
Lawrence Weiner realisierte Einzelausstellungen im Stedelijk Museum in Amsterdam (2013), im Museu d‘Art Contemporani in Barcelona (2013), im Haus der Kunst in München (2007), im Museo Tamayo Arte Contemporáneo in Mexico City (2004), im Kunstmuseum Wolfsburg (2000), im Walker Art Center, Minneapolis (1994), und im Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington, D.C. (1990). Er war Teilnehmer an der documenta 5, 6, 7 und 13 (1972, 1977, 1982, 2012) in Kassel und bei der 36., 41., 50. und 55. Biennale in Venedig (1972, 1984, 2003, 2013). Zu den zahlreichen Preisen zählt ein Guggenheim Fellowship (1994), der Wolfgang-Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig in Köln (1995), der Roswitha Haftmann-Preis der gleichnamigen Züricher Stiftung (2015) und ein Ehrendoktorat der City University of New York (2013).
Lawrence Weiner lebt und arbeitet wechselweise in seinem Atelier in New York City und auf seinem Boot in Amsterdam.

Fotos: Kunsthaus Bregenz