Kunstausstellung

Laura Owens, Cao Fei


Virtuose Handhabung malerischer Techniken und einfallsreiche Bildsprache sind zu Markenzeichen von Laura Owens geworden, die immer wieder mit ihrer großen motivischen Bandbreite überrascht. Der gleichzeitige Einsatz unterschiedlicher Techniken, Medien und Motive sowie deren Überlagerungen sind für ihre Arbeitsweise charakteristisch. Die Künstlerin bedruckt, bemalt, besprüht, bestickt, beklebt ihre Leinwände und versieht sie auch mal mit Objekten. Owens schreckt auch vor der Arbeit am Computer und dem Verwenden von Mal- und Bildbearbeitungsprogrammen nicht zurück, deren Effekte wieder über diverse Druckverfahren auf die Leinwand übertragen und dann weiterbearbeitet werden.

Nachdem sie mehrere Jahre mit alten Zeitungen wie etwa Ausgaben des Berkeley Barb und der Los Angeles Times aus den 1960ern gearbeitet hatte, stieß Owens durch einen Zufall auf einen Satz Stereotypiedruckplatten, die als Dichtungsbleche unter den Schindeln ihres Hauses in Echo Park verwendet worden waren. Die Papiernegative gehörten sämtlich zu Ausgaben der Los Angeles Times aus dem Jahr 1942 – dem Jahr der Erbauung des Hauses. Hingerissen vom Nebeneinander der weltbewegenden Ereignisse in den Monaten nach Pearl Harbor und den vermischten Nachrichten aus einer fernen Vergangenheit ihres eigenen Viertels, ließ Owens zunächst mittels Gummiabgüssen der originalen Negativplatten Hochdrucke anfertigen.

Die neue, für die Ausstellung in der Secession produzierte Serie von großformatigen Ölgemälden geht auf Scans der nachgedruckten Zeitungsdruckplatten zurück, die Owens in Photoshop bearbeitete und dann mittels Siebdruck auf Leinwände brachte. Mit zusammengesetzten Zeitbildern begann die Künstlerin nach einer Ausstellung in der Galerie Capitain Petzel in Berlin zu arbeiten, in der eine Kurzgeschichte sich über fünf freistehende doppelseitige Bilder erstreckte; ihre Fortsetzung fand sie in einem gesonderten Stillleben im Stil ihrer eigenen früheren Arbeiten. Für diese neuen Werke hat sie die originale Los Angeles Times aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs so digital nachbearbeitet, dass nun Nachrichten jüngeren Datums und Werbung aus zeitgenössischen Publikationen und Webseiten neben noch älteren Inhalten, die bis in die 1890er Jahre zurückreichen, erscheinen. Manche dieser Bruchstücke enthalten deutliche Verweise auf bestimmte historische Perioden, während andere nicht so leicht zuzuordnen sind. Auf den ersten Blick erkennbar ist, dass die in einem Bild versammelten Quellen sich nie zu einer klaren Chronologie von damals und heute ordnen.

In den Bildern sind diese digital bearbeiteten Zeitungsseiten uneindeutig zwischen Vorder- und Hintergrund eines instabilen Bildraums angeordnet. Trompe-l’oeil-Schatten fallen unter den wirklichen Schatten, die dickes Impasto wirft; digitale Pinselstriche schweben auf der Oberfläche neben realer Acryl-, Öl- und Vinylfarbe der Marke Flashe. Diese trügerischen Hinweise auf eine räumliche Struktur komplizieren die Verschiebungen von Altem und Neuem auf der Bildfläche zusätzlich. Oft bringt Owens ihre Bilder außerdem in einen Dialog mit der Architektur des Ausstellungsraums. In ihrer Schau in der Secession stellen die an der Wand aufgehängten Gemälde einzelne Bilder dar, bilden zusammengenommen aber die konstruktive Idee einer Zeitung als Ganzer ab. Texturen und Farben wiederholen sich und Motive eines Gemäldes finden in einem anderen ihre Fortsetzung wie ein Leitartikel, der auf der Titelseite einer Zeitung beginnt und auf Seite 6 weitergeht.

Laura Owens (geb. 1970 in Euclid, Ohio (USA)) lehrt am Art Center College of Design in Pasadena. Seit 2012 betreibt sie gemeinsam mit Gavin Brown und Wendy Yao den Ausstellungsraum 356 S Mission.

Cao Fei zählt zu den interessantesten chinesischen KünstlerInnen der Gegenwart. Ihre Arbeitsweise ist durch ungewöhnliche Innovations- und Experimentierfreude gekennzeichnet, was sich in der Vielgestaltigkeit ihres Werks widerspiegelt. Fei schafft Multimedia-Installationen, Videos und großformatige Fotografien; für ihre bisher aufwändigste Arbeit, RMB City (2008–2011), konstruierte sie eine komplexe virtuelle Stadt mit zahlreichen architektonisch einzigartigen Gebäuden auf der Internet-Plattform Second Life.

Die 1978 in Guangzhou geborene Künstlerin gehört zur ersten im postkommunistischen China aufgewachsenen Generation junger Leute, die sich die „Neuen Menschen“ nennen. In ihren Arbeiten unternimmt Fei eine Zustandsbeschreibung dieser durch fortwährenden rasanten Wandel geprägten Gesellschaft: ihrer Ängste und verlorenen Träume, des städtischen Lebensumfelds und der Fantasien und Strategien, mit denen die ChinesInnen ihre Wirklichkeit zu überwinden oder ihr zu entkommen suchen. Dazu bedient sie sich der (stilistischen) Mittel der Gesellschaftskritik, der Konventionen des Dokumentarfilms und einer populärkulturellen Ästhetik. Fei wuchs in einer Boomregion, dem Perlfluss-Delta, auf und interessiert sich daher insbesondere für neue städtische Zentren, deren radikale Umgestaltung die Widersprüche des heutigen China veranschaulicht und die oft als Hintergrund für ihre Arbeiten dienen.

In der Wiener Secession wird Cao Fei ausgewählte Arbeiten zeigen, darunter Schlüsselwerke wie das Projekt RMB City (2008–2011) und Haze and Fog (2013), ein Filmprojekt jüngeren Datums, das den Überlebenskampf der orientierungslosen urbanen Mittelklasse in einer dystopischen Zombie-Welt zeigt. Außerdem hat die Künstlerin eigens für die Ausstellung neue Arbeiten entworfen, darunter eine ebenfalls Splendid River betitelte Intervention auf der Fassade der Secession, die das Originalgebäude in Wien mit seiner Kopie, dem Sitz eines Immobilienunternehmens in ihrer Heimatstadt Guangzhou, in Verbindung setzt. In der Videoinstallation Stranger (2015) untersucht Fei das Phänomen Online-Dating, das immer beliebter wird, während sich die Menschen zugleich immer mehr von ihrer Umwelt zu entfremden scheinen. Statt den üblichen Erwartungen zu entsprechen, geht die Künstlerin als unsichtbare Protagonistin der Videoclips alltäglichen Tätigkeiten nach, um so eine Verbindung mit dem oft passiven Voyeur aufzubauen. In der Installation Rumba (2015) dagegen vollführen automatische Haushaltsgeräte wie Putzroboter eine Art Zufallschoreographie auf einer Bühne, die als abstrahierte Landschaft gestaltet ist. Auch hier scheint die Frage der Kommunikation im Sinne eines „Brückenschlags“ der Arbeit zugrunde zu liegen.

Zur Ausstellung wird ein Künstlerbuch mit Texten, Zeichnungen und Skizzen von Cao Fei erscheinen.
Die Schau ist die erste Einzelausstellung der Künstlerin in Österreich.
Cao Fei wurde 1978 in Guangzhou (China) geboren und lebt und arbeitet in Peking.


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