Pop / Rock

Lance Butters + Neodisco


Jeder Rapper trägt eine Maske. Um sein Viertel zu repräsentieren. Oder um sich vor ihm zu verstecken. Um aufzufallen. Um wieder zu verschwinden. Für manche ist sie ein Segen. Für andere wird sie zur Last. Getragen auf der Straße, auf der Haut, um den Hals, an der Wand, in der Tasche, im Club. Bei Lance Butters ist das ein bisschen anders. Er trägt seine Maske, um nicht vom Wesentlichen abzulenken. Nämlich davon, dass er so ein verdammt guter Rapper ist. Lance Butters ist die Arroganz in Person, ein Keinen-Fick-Geber vor dem Herrn, Chef in Sachen Selbstgefälligkeit. Ein Rapper, der aus dem Internet hinab in die Straßen gestiegen ist und im Vorbeigehen jeden Wack-MC in die Tasche steckt.

Mit lässigen Punchlines und einer Extraladung Desinteresse in der Stimme, aber dennoch stets so on point, dass Rapper schon die Flucht ergreifen, wenn er ihnen nur seinen Mittelfinger entgegenstreckt. So ganz nebenbei wirft Lance Butters die vier HipHop-Elemente über den Haufen und hängt hauptberuflich bei heruntergelassenen Jalousien auf dem Sofa. Einen dicken Joint in der linken, einen Haufen neuer 5 Euro-Scheine in der rechten Hand und eine Dame mit wohlgeformtem Hinterteil auf seinem Schoss. In der Welt auf die Lance durch die Augen seiner Maske blickt, dreht sich eben alles um Girls, Kush und Cash. Andere quatschen nur von der »Cool Story«, Lance lebt sie.

Passend dazu zapft Bennett On seine Bassbatterien an und platziert trommelfellschädigende Drumpattern auf den Beats, bis man meint, sich in einer brachialen SciFi-Schlacht zu befinden. Das ist Musik, die deinem Nacken ein Schleudertrauma beschert. Das sind Texte, in denen ein »wack« nicht nur eine Phrase ist, sondern einem Todesurteil gleichkommt ? kompromissloser Battlerap at its best. Sarkastisch, zynisch und ironisch. Genau so macht man sich einen Namen und eine EP, die mittlerweile ausverkauft ist. So sahnt man Klicks in Millionenhöhe ab. So unterschreibt man bei Four Music. Jeder trägt eine Maske? Lance Butters auch. Aber er ist cooler als du. Einfach so. Futureshit.

Special Guest: NEODISCO
„Krawalle und Liebe“ heißt das erste Album von Neodisco. 16 Tracks, die wie der Singlevorbote „Hölle“ (meist) rasch in die Vollen gehen und in einer erstaunlichen Bandbreite zeigen, wie dieses Trio – drei junge Männer um die Zwanzig aus der Steiermark –tickt: „Ihr wärt gerne Triple A, ich wäre gerne Triple X.“ („Hölle“) Seit Jahren haben Sebastian Hofer und die Brüder Nikolaus und Georg Nöhrer – mittlerweile alle in Graz am Studieren – an diesem in seiner inhaltlichen und musikalischen Konsequenz schlicht verblüffenden Debüt gearbeitet. Neodisco ließen die Erfahrungen mit eigenen Raps und Beats auf diversen HipHop affinen Online-Plattformen und selbstgebuchten Gigs vom Wiener Gasometer bis zum Dorffest ebenso einfließen wie die in langen Gesprächen zwischen den Freunden ausgiebig gepflegte Analyse von allem und jedem, die sich in wortreichen und pointierten Texten niederschlägt. Im Heimstudio wurden daraus Stücke zusammengesetzt, ein prall geiler elektronischer (Post-)HipHop, mit Bandfeeling und einem umfassenden musikalischen Unreinheitsgebot im Sinn. Mit dem Ziel, die beste und schärfste zeitgemäße Unterhaltung abzuliefern, damit Reibung und Bewegung auszulösen – im Hirn, im Hintern, im Unterleib, im Intellekt! Produzent Paul Kinski kommentierte dann von Wien aus die Ergebnisse, brachte zusätzliche Anregungen und besorgte den umwerfenden Endmix.

Nach Opener „Hölle“ schlägt sich „Romy Schneider“ fast noch heftiger an die Brust – im genüsslich Austeilen sind Neodisco Wort-Weltmeister! Fast im Vorbeigehen lassen sie einen Satz fallen, der einen Schlüssel zur Neodisco-Experience birgt: „Als die Mauer fiel war ich Minus Eins“. In einer reizüberfluteten Welt reizen Neodisco mit allem Recht der Jugend konsequent zurück, pfeifen dabei auf überkommene inhaltliche Stillhalteabkommen. Sie machen sich einen Spaß daraus, fast mit jeder Silbe und jedem Beat eine Bedeutungs- oder Referenzebene anzureißen. Ein Beat, der heute Tanzbeine rührt braucht 2013 eben Worte, die am Eingemachten rühren. Eine Musik, die (fast) alles darf und will, kann sich sprachlich keine Maulkörbe leisten. Dabei kommen die bedingt sympathischen Protagonisten von Stücken wie „Wer ist hier Rockstar“ (featuring Persteasy), „Anneliese“ oder „Kultus“ folgerichtig ordentlich gebrochen daher. Ganz ohne moralisierenden Zeigefinger streifen Neodisco souverän die großen Fragen. „Teenies werden Mütter und Rapidfans Väter, wir müssen was verändern, aber machens später“ heißt es in „Wer ist hier Rockstar“ und „Sag mir, wer wir sind und was tun wir hier und warum hast Du noch so viel vor? Wenn die Erde heute untergeht bleibt von uns nur Schall und Staub“ in „Schall und Staub“. Sowieso, Neodisco sind die beste existentialistische Partymusik – mit gnadenlosem Popappeal! – seit Jahren, funktionieren in allererster Linie aber wie – Neodisco! Nicht nur „Aufstehen“ („eigentlich sind wir eine ganz liebe Band“) oder „Sommer in Stubenberg“ (ein Sommerhit noch ohne Sommer) sind große heutige Popwunder, die einen eigenen Geist atmen und verströmen. Gehen wir Neodisco!
http://lancebutters.de/


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