Klassik

Lamentationes Jeremiae Prophetae


Seit dem 10. Jh. singen Mönche in aller Welt während der nächtli­chen Liturgie der Kartage die Lamentationes Jeremiæ Prophetæ nach alten grego­rianischen Melodien aus dem codex Vaticanus und aus einigen hispani­schen codices, die eine oder andere Lamentation sogar nach modernen Vertonungen.

Die Klagelieder des Jeremia beschreiben das alte Jerusalem des 6. Jh. v. Chr., um das sich die Völker streiten; und die anhaltende monastische Singtradition verdeutlicht einmal mehr ihre Aktualität.

Im Gegensatz zu allen anderen Gregorianischen Gesängen werden die Lamentationes Jeremiae Prophetae nicht chorisch, sondern solistisch vorge­tragen. Dabei liegt die Herausforderung an den einzelnen Mönch nicht so sehr in der Stimmqualität, sondern darin, "dass Herz und Stimme im Einklang seien" (Regula Benedicti 19,7).

So kann man sich gesund klagen.

In meditativer Form wiederholt sich der Aufbau jedes Abschnittes: Die voran gesetzten Buchstaben des hebräischen Alphabets dienen als Nummerierung der Strophen (1. "Aleph", 2. "Beth", 3. "Gimel", usw.). Jede einzelnen Klage, Lamentatio, gipfelt im leidenschaftlichen Ausruf: »Jerusalem, Jerusalem, convertere ad Dominum, Deum tuum.« »Jerusalem, Jerusalem, bekehre dich zum Herrn, deinem Gott.«


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