Theater

La Strada 2018


Grenzen ausloten, Grenzen überwinden, die Stadt zurückerobern, neu wahrnehmen und erleben – all das macht La Strada diesen Sommer vom 27. Juli bis 4. August wieder möglich.

Mit dem Start des Festivals im Jahr 1998 galt es, professionelle Straßenkunst und Figurentheater der Öffentlichkeit näher zu bringen – Kunstformen, die bis dahin in Österreich eher unbekannt waren.
Theater im Öffentlichen Raum ist keine neue Idee. Es ist sogar die Basis für unser heutiges abendländisches Theaterverständnis. Schon in der griechischen Antike wurden für die „Polis“ Theaterspiele unter freiem Himmel gezeigt. Bereits die mittelalterlichen Wander- und Straßentheater verließen sich weniger auf genau einstudierte Inszenierungen als auf die kreativen Kräfte, die durch Improvisation zustande kommen. Im 18. Jahrhundert verlor diese Form des Volkstheaters allmählich an Bedeutung und zu Beginn des 19. Jahrhunderts fanden die Theatervorstellungen mehr und mehr in feststehenden Häusern statt.

Zu Beginn der 1960er-Jahre des vorigen Jahrhunderts fanden die ersten Happenings statt, eine von Allan Kaprow propagierte Kunstform, die durch die Verbindung von Theater und Bildender Kunst entstand und die herkömmliche Grenze zwischen Performern und Publikum aufhob. Seit den 80er Jahren erlebt das moderne Straßentheater weltweit eine wahre Hochblüte und heute ist das Theater im Öffentlichen Raum ein Teil des zeitgenössischen Theaters geworden, das sich durch Experimentierfreudigkeit und die ungebrochene Lust und Neugier nach innovativen und unkonventionellen Performances auszeichnet.

Zeitgemäße Straßenkunst hat sich in den vergangenen Jahrzehnten also neu etabliert und spannt einen ästhetischen und reflexiven Rahmen auf. Antworten auf drängende Fragen der Gegenwart zu Themen wie Migration und Globalisierung, Konsum, Energie und Verkehr unter Berücksichtigung ihrer Auswirkungen auf das Zusammenleben der Menschen, werden gefunden. Die Künstler erzählen von urbaner Veränderung, von fluiden Beziehungssystemen, vom Überschreiten und vom Auflösen von Grenzen und suchen dafür nach zeitgemäßen Ausdrucksformen – dies oft in direkter Zusammenarbeit und im Austausch mit der Bevölkerung. Fragen der Koexistenz und Kooperation, der Migration und Integration werden auf performativer Ebene mit hoher Intensität und intellektueller Konsequenz behandelt. Dabei geht es nicht um eindeutige künstlerische Aussagen, sondern um die Bebilderung der in Europa längst vollzogenen Durchdringung und Verflechtung der Kulturen und kulturellen Äußerungen.

Das Festival La Strada war von Beginn an interessiert an diesen künstlerischen Manifestationen im öffentlichen Raum, die Wahrnehmungen und Blickwinkel verändern und auf Metamorphosen reagieren – die die Stadt als Kulturraum nutzen – unmittelbar und barrierefrei. Der Dialog zwischen Vorstellungen im öffentlichen Raum und solchen in „geschlossenen Kulturräumen“ bildete von Anfang an ein Kernelement in der Ausrichtung und Philosophie von La Strada. Ziel war und ist es, neue Publikumsschichten in die Theaterhäuser zu bringen und vice versa gemeinsam mit den Künstlern und der Bevölkerung den „Kulturraum Stadt“ zurück zu erobern.

Gemeinsam mit den Künstlern, dem Publikum und den Kooperationspartnern hat sich das Festival La Strada über fast zwei Jahrzehnte weiterentwickelt. Die Generation jener Kinder, die La Strada in seiner Geburtsstunde miterlebt haben, sind heute erwachsen und für sie ist das Theater in den Straßen und auf den Plätzen ihrer Stadt zum Selbstverständnis geworden – ein fruchtbarer Nährboden, stetig neues Terrain zu erobern und weiter am Zusammenspiel zwischen Stadt, Künstlern und Publikum zu arbeiten.


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