Alte Musik · Klassik

La Capilla


Für bizarr und verrückt befanden Zeitgenossen die Musik Alexander Agricolas: In der Tat, musikalisch war er seiner Zeit weit voraus! Ihm begegnet, auf gleicher Augenhöhe originell wie kunstfertig, mit Josquin Desprez ein weiterer «Mastermind» des 15. Jahrhunderts, über den die «Dame Merencolie» ihren dunklen Mantel breitete und das Feuer künstlerischer Fantasie entfachte. Auf den Spuren der tollkühnen «Bizarrerien» und der süßen Schwermut wandelt La Capilla, die als Spezialistenensemble für die hohe Gesangskunst der Renaissance bei den «Resonanzen» firmiert: Diesmal führt die Wanderung in einem pittoresken thematischen Bogen von bekannten Chansons Josquins bis hin zu Virelais, Rondeaus und selten gehörten Arrangements populärer Melodien von Agricola.

Malinconia
Josquin Desprez
Fortuna desperata (Instrumental)
Descendi in ortum meum

Alexander Agricola
Tout a par moy (Instrumental)
Royne des flours
Belles sour toutes – Tota pulchra es
D'ung aultre amer (Instrumental)
Qui tollis (Missa «In myne zyn»)

Josquin Desprez
Cela sans plus (Instrumental)
Alexander Agricola
Sancte Philippe appostole
Josquin Desprez
Mille regretz (15./16. Jh.)
Plaine de deuil
Fors seulement (Instrumental)
Anonymus
Maria Mater – Fors seulement
Josquin Desprez
De profundis / Motette für fünf Stimmen (Bearbeitung: Nicolas Champion)
Alexander Agricola
Dulces exuviae
Josquin Desprez
Plus nuls regretz / Chanson (1520 ca.)
Alexander Agricola
Fortuna desperata

«Aus einem Querkopf wird selten ein Versager», meint der schriftstellernde Kinder- und Jugendpsychiater Paulus Hochgatterer. Dieser Auffassung können wir uns nur anschließen. Querköpfe denken anders, leben unangepasst und stoßen auf Widerstand.

In Wissenschaft und Kunst sind sie, «die ewigen Kinder», oft identisch mit den verschrobenen Genies, die ja bekanntlich nah am Wahnsinn leben sollen. Einer von ihnen war der 1690 in Florenz geborene Komponist und Geigenvirtuose Francesco Maria Veracini, dessen Oper «Adriano in Siria» die «Resonanzen» 2014 und damit unsere Parade kreativer Störenfriede in der Musik vom Mittelalter bis zum Barock eröffnen wird.

In ihren verschiedenen Ausprägungen begegnen uns Querköpfe bei diesen «Resonanzen» aber nicht nur als schrullige bis durchgeknallte Komponisten vom Format eines Jan Dismas Zelenka, Carlo Gesualdo, Alexander Agricola oder William Lawes; sie mischen sich auch – mehr oder weniger diskret – unter die Ausführenden: Europa Galante, Hopkinson Smith, Hiro Kurosaki, Concerto Copenhagen und viele andere Publikumslieblinge machen gemeinsam mit den Debütantinnen und Debütanten des britischen Gambenconsorts Phantasm, der deutschen Capella de la Torre und des Prager Collegiums 1704 Front gegen den musikalischen Mainstream – damals und heute.


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