Alte Musik · Klassik

La Camera delle Lacrime Karakorum - Dialog der Liebe


Über ihre Liebe zu Gott verständigten sich Abgesandte des Buddhismus, Christentums, Islams und Polytheismus mit der Musik ihrer Religionen. Sie sangen und rezitierten die Lobgesänge an ihre Gottheiten und vereinigten sich zu einem universellen spirituellen Hymnus. Die Gläubigen waren im Frühjahr 1254 in der ökumenischen und multikulturellen Stadt Karakorum zusammengekommen, dem Mittelpunkt der mongolischen Welt, der erbaut war aus Moscheen, Kirchen und Tempeln.

In seinem Zweifel an der Religiosität hatte der tolerante Dschingis-Khan-Enkel Möngke Khan alle zusammengerufen, damit sie ihre religiösen Überzeugungen darlegen mochten. Laut dem Zeugnis des in Karakorum anwesenden Franziskanermönchs Wilhelm von Rubruk gingen den Botschaftern der verschiedenen Religionen und Konfessionen nach einer Nacht heftiger Debatten und theologischer Rhetorik die Worte aus. Da setzte die Kraft der Musik ein und das Verständnis unter den Menschen verschiedener Glaubensrichtungen entfaltete sich.

Von der Hoffnung auf gegenseitigen Respekt auch in unserer Zeit wurde das Projekt des Ensembles La Camera delle Lacrime genährt, mit dem diese wunderbare Nacht des Singens, Musizierens und gegenseitigen Zuhörens noch einmal anbrechen wird. Gesänge und Lieder östlicher und westlicher Religionen werden wieder angestimmt, darunter auch katholische Hymnen, die der Franziskanermönch Wilhelm von Rubruk in seinen Schriften und Aufzeichnungen erwähnte, wie etwa „Canticum Fratris Solis Vel Laudes Creaturarum“ des Heiligen Franz von Assisi. Der Reichtum religiöser Musik des 13. Jahrhunderts in ihren globalen Facetten – reine Vokalmusik oder mit mittelalterlichen Instrumenten verknüpft – breitet sich aus und mündet in der Gegenwart in der „Universalhymne“ des zeitgenössischen französischen Komponisten Thierry Machuel.


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