Vortrag

Kunsthandwerk und Architektur – die angewandte Kunst als Geburtshelfer der Moderne


Im Bauhaus-Jahr 2019 wird landauf, landab über die Entstehung der modernen Architektur nachgedacht. Meist geht man davon aus, dass in den neu entwickelten Konstruktionen und Bauverfahren sowie in den modernen Baumaterialien wie Glas, Eisen, Stahl und Beton die alleinigen Impulse des „neuen Bauens“ – so nannte man die frühe moderne Architektur in Deutschland – zu suchen seien.
Weniger bewusst ist es, dass entscheidende Impulse zur Entwicklung der Moderne in der Kunstgewerbebewegung des 19. Jahrhunderts und den sogenannten angewandten Künsten zu finden sind. So waren zahlreiche Architekten zugleich Kunsthandwerker und widmeten sich den verschiedensten Bereichen der Gestaltung, vom Möbelentwurf, der Typographie und Malerei bis zum Produktdesign. Grundlage dafür war eine genaue Kenntnis der einzelnen Gewerke und der sachgemäße Umgang mit den jeweiligen Materialien. Entwerfender Künstler und ausführender Handwerker arbeiteten in Werkstätten eng zusammen. Sobald sich die Möglichkeit bot, übernahmen sie auch Aufträge zum Bau von Häusern und zur Planung ganzer Siedlungen und Stadtteile. Das Kunsthandwerk war die Kunst, das Große im Kleinen zu können.
In der jüngeren Vergangenheit besinnen sich immer mehr Gestalter, Kunsthandwerker und Architekten auf diese Wurzeln. Der Werkraum Bregenzerwald bietet mit seinem 2008 von Peter Zumthor errichteten Ausstellungs- und Verwaltungsbau den idealen Rahmen um über Kunsthandwerk und Architektur auch im 21. Jahrhundert zu sprechen.

Der Vortragende ist PD Dr. Christoph Hölz vom Forschungsinstitut Archiv für Baukunst der Universität Innsbruck. Er studierte Kunstgeschichte an den Universitäten in München und Wien, ist bekannt für seine Veröffentlichungen zur Kunst- und Architekturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, und wirkte bei der Konzeption und Realisierung von Ausstellungen in Tirol und München mit.

Anlässlich des 350. Geburtstags der Vorarlberger Landesuniversität präsentiert sich die Universität Innsbruck in Vorarlberg mit der zwölfteiligen Veranstaltungsreihe „ForscherInnen hautnah“. Professorinnen und Professoren referieren und diskutieren über Forschungsergebnisse mit Vorarlbergbezug.


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