Kunstausstellung

Kunst und Magie in Silber und Seide


Das Museum der Völker hat aus der Sammlung Schell eine Ausstellung konzipiert, die sich mit dem berühmten Silberschmuck und den Textilien der Miao Südchinas befasst.

Im Süden Chinas lebt das Volk der Miao. In den Bergregionen von Kaili haben diese chinesische Minderheit mit ihren fünf Millionen Mitgliedern eine Lebensart und Kultur entwickelt, die sich von denen der Han-Chinesen unterscheidet. Ihre Architektur, ihre Gerätschaften, aber besonders ihre textilen Schöpfungen haben Eingang in die Welt der Sammler gefunden. Sie haben auf gewebten Stoffen Stickereien appliziert, deren Inhalte und Symbole ihrem magischen Weltbild entstammen. Jede Form hat ihre Bedeutung, jede Farbe bezieht sich auf einen Schutzgeist oder auf eine Lebenssituation. Sie tragen ihre Säuglinge am Rücken auf reich verzierten Tragtaschen, deren Symbole Schutzcharakter haben.

Die Miao sind eines von hundert Bergvölkern, von denen viele miteinander verwandt sind. Die Expansion der Han-Chinesen hat sie zurückgedrängt in die Bergregionen; drei Millionen sind nach Laos, Kambodscha, Burma und Thailand ausgewandert. Dort pflegen sie bis heute ihre Kulturen, die sich aber formal von denen im Mutterland unterscheiden. Von den Bergvölkern Nordthailands sind die Hmong und Mien aber auch die Yao jene Gruppen, die untermittelbar mit den Miaos aus China verwandt sind. Ihre Kleidungen unterscheiden sich und in mancher Hinsicht haben sich die Kulte vom Ursprung entfernt. Zum Unterschied zu den Akah, die ebenfalls aus Burma in Thailand eingewandert sind, leben die Hmong auf einer Seehöhe von unter 1000m. Dadurch haben sie unterschiedliche landwirtschaftliche Methoden entwickelt. Die Karen, Nachbarn der Hmong, sind die einzige reisanbauende Minderheit und den aus China stammenden Bergvölkern. Wie alle anderen Gruppierungen teilen sich auch die Karen in verschieden Gruppen. Die bekannteste von ihnen sind die Padaung, die auch als Longneck in die Ethnologie eingegangen sind. Sie tragen Messingspiralen um den Hals, diese bewirken dass die Schulterregion nach unten gedrückt wird und der Hals dadurch sehr lang erscheint. Von ihren Nachbarn werden sie Schiraffenhalsfrauen genannt. Nach dem Sinn dieses Schmuckes befragt, erklären die Padaung, dass er die Frauen vor dem Angriff von Tigern schützt.

Das Museum der Völker hat aus der Sammlung Schell eine Ausstellung konzipiert, die sich mit dem berühmten Silberschmuck und den Textilien der Miao Südchinas befasst. Hier werden neben den Babytragtaschen Kostüme, Falt- und Wickelröcke aber auch reich bestickte und mit Silber applizierte Jacken und Gewänder gezeigt. Sie alle stammen aus einer Zeit, in der die Völker noch abgeschirmt vom Tourismus in den Bergen ihre autochtone Kultur pflegten. Die handwerklichen Techniken sind von verblüffender Raffinesse. Am Beispiel eines Pferdeschwanzhaares, das mit Seide umsponnen ist und als Faden gilt, kann man die komplizierten und schwierig zu erlernenden handwerklichen Methoden erkennen.

Die Miao sind seit 2000 Jahren Bestandteil des chinesischen Volkes. Es gab Verfolgungen und Kriege, aber seit der Gründung der Volksrepublik China im Jahre 1949 gelten sie als gleichberechtigte Bewohner Chinas neben der zahlenmässig weitaus überlegeneren Han-Chinesen. Man hat ihnen sogar Privilegien zugestanden, so sind sie nicht der Einkind-Politik unterworfen und leben in ihren Bergregionen ein relativ freies Leben. Aber auch früher gab es Miao-Vertreter, die am Hof des Kaisers arbeiteten. Wenn einer dieser Beamten lange genug und erfolgreich gearbeitet hat, wurde er vom Kaiser mit einem reich bestückten Seidenmantel beschenkt. Das ist der Grund, dass in manchen traditionellen Dörfern heute noch alte Han-chinesische Textilien finden kann. Die Ausstellung im Museum der Völker zeigt auch solche Beispiele.

Öffnungszeiten:
Tgl. 10 bis 18 Uhr


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