Theater

Konstellationen


Dass Quantenphysik und romantische Komödie keine einander ausschließenden Begriffe sind, beweist der junge britische Autor Nick Payne mit seinem Stück Konstellationen, das zugleich eine berührende Liebesgeschichte und eine pointierte Untersuchung des (physikalischen) Zeitbegriffs ist.

Marianne, Quantenphysikerin, und Roland, Imker, lernen einander bei einem Barbecue kennen. Hier könnte eine ganz alltägliche Liebesgeschichte beginnen, doch Mariannes Beruf bestimmt auf verblüffende Weise den Fortgang des Stücks.

Gemäß Mariannes Theorie, dass im Quantenmultiversum jede Wahl, jede Entscheidung, die du getroffen hast oder auch nicht, in einem unvorstellbar riesigen Ensemble von Paralleluniversen existiert, entwirft Payne eine originelle Dramaturgie, bei der unterschiedlichste Konstellationen dieser Beziehung durchgespielt werden:

Es gibt Versionen, in denen die beiden es nicht einmal bis zum ersten Kuss schaffen, solche, in denen sie zusammenziehen oder sich trennen, einander betrügen oder treu sind. Nach einigen „falschen“ Abzweigungen scheinen Roland und Marianne endlich bei ihrer eigentlichen Geschichte, welche die einer großen Liebe ist, anzukommen.

Doch egal in welchem Universum das Paar – und somit auch wir – leben, am Ende erwartet uns alle der Tod. Payne gelingt nicht weniger, als vor dem Hintergrund dieser ergreifenden Romanze auf leichtfüßige und humorvolle Weise die existentiellen Fragen nach dem Sinn des Lebens, dem freien Willen und dem Schicksal zu stellen.

Was wäre wenn? Diese Frage darf man sich zu Silvester stellen. Was, wenn zum Beispiel genau in diesem Moment zahllose Kopien von uns völlig verschiedene Existenzen in unzähligen Parallelwelten leben? Das ist das, was laut Stringtheorie der Fall ist: Unser Universum ist nur eines von vielen. Im Quantenmultiversum geschieht alles, was geschehen kann, genau in diesem Augenblick; wir sind völlig autonom und gänzlich machtlos zugleich.


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