Vortrag · Literatur

Konrad Paul Liessmann - Hier und dort. Über Grenzen und Grenzüberschreitungen



Jede Grenze ist ein Paradoxon. Sie trennt und sie verbindet gleichzeitig. Was immer die Grenze scheidet, wer immer auf der einen und auf der anderen Seite der Grenze sich befindet: Diese Grenze ist deren gemeinsame Grenze. Grenzen markieren somit auch Nähe und Nachbarschaften. Grenzen signalisieren deshalb ihrer Logik nach immer folgendes: Hier ist dieses, aber dort ist jenes. Etwas als Grenze bestimmen, bedeutet somit immer, schon an das zu denken, was hinter der Grenze liegt – eine Gefahr, eine Verheißung, eine Hoffnung, ein Geheimnis, eine bessere Welt oder die Fortsetzung dessen, was überall ist.

Konrad Paul Liessmann, geboren 1953 in Villach, ist Professor am Institut für Philosophie der Universität Wien; Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist. Er erhielt 2004 den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz im Denken und Handeln und 2010 den Donauland-Sachbuchpreis. Im Zsolnay Verlag gibt er die Reihe Philosophicum Lech heraus. Seine "Theorie der Unbildung" (2006) war ein großer Erfolg und wurde in viele Sprachen übersetzt. Zuletzt erschienen seine Bücher "Das Universum der Dinge" (2010) und "Lob der Grenze" (2012).