World Music · Volxmusik / Neue Volksmusik · Wienerlied

Kollegium Kalksburg & Die Strottern


Buenos Aires hat den Tango, Lissabon den Fado, Paris die Chansons. Wien hat das Wienerlied – als unverwechselbaren Ausdruck des Lebensgefühls dieser Stadt.

Die Strottern entstauben das Wienerlied musikalisch und inhaltlich so gründlich, dass aus einer traditionellen lokalen Liedtradition eine Musik wird, die auf der ganzen Welt verstanden wird. Davon zeugen auch die zahlreichen Auszeichnungen für die Herzblutmusikanten.

Von der larmoyanten Melodieführung her ist das Wienerlied am ehesten mit Fado und Blues zu vergleichen. Anders als diese Genres entwickelte das hiesige Genre aber einen Sarkasmus, der seinesgleichen sucht. Das Kollegium Kalksburg ist jenes Ensemble, das die Grenzen am mutigsten ausgelotet hat.

Das Wienerlied ist in einem Schmelztiegel von Nationen entstanden. Das macht es so reich an musikalischen Einflüssen: Volksmusik, Theaterlied, französische Walzer, die Musik des Balkans.

Die Strottern verarbeiten neben der Wiener Tradition zeitgenössische Musiksprachen wie Jazz, Pop und Weltmusik. Natürlich bildet der Walzer, der Puls der Stadt, das Fundament der meisten Strottern-Lieder. Mal im 3/4-Takt elegant tanzend, dann wieder trunken torkelnd, zielen Die Strottern mit ihren süffigen Melodien mitten ins Herz des Publikums, immer an der messerscharfen Grenze von tief empfundener Kunst und Schmachtfetzen entlang wandelnd.

Das Kollegium Kalksburg ein kongeniales Sammelsurium zwischen eigenwillig interpretierten Raritäten, ironisierten Klassikern und einer Menge von Selbstverfasstem angehäuft - alles geschickt vertont und mit dem richtigen Quantum an Charme und Grobheit dargestellt. Vor allem fallen den Dreien genügend Varianten ein, um die Litanei aus Saufen, Siechtum und Tod nie monoton werden zu lassen. Da wird der Blues ebenso bemüht wie Flamenco, Wizlsperger bläst gern vehement die Plastiktüte und findet auch in seinen stoisch verhuschten Moderationen den richtigen Ton.

Viele Städte dieser Welt besingen sich selber, aber keine so wie die Donaumetropole: Das Wienerlied hat eine Sonderstellung schon darin, dass es den Gegenstand seiner Zuwendung meist als Paradies und Jammertal in einem preist. Wehleidigkeit, Raunzerei, Todessehnsucht, Heurigen-Romantik und Seligkeit, immer dicht am Absturz in weinbedingt morbide Versenkung oder Raserei. So schramme(l)n diese Befindlichkeits-Reliquien einer besonderen Spezies Österreicher stets am Rand von Kitsch und Kunst.


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