Theater

Köche


Das Theater im Bahnhof begibt sich mit seiner Recherche in die Küchen mancher kulinarischer Gourmettempel in Österreich und blickt dabei weniger in die Pfannen und Töpfe, sondern befragt Köchinnen und Köche zu ihren Visionen und der Arbeitsrealität im Gastgewerbe, zu Angebot und Nachfrage, Fluktuation und Stabilität, zu Lohn und Leistung. Und zur Motivation, wenn das Trinkeld in der Regel in den Taschen des Servicepersonals verschwindet und nur selten ein Lob bis in die Küche vordringt.

„It’s clear I’m crazy. You know. Someone who wants to change the way people are cooking, you have to be crazy – but it works.“ (Hervé This)

Am 30. November 2009 hält Hervé This, wissenschaftlicher Vater der Molekularküche, einen einstündigen Vortrag am Imperial College in London und beschäftigt sich dabei theoretisch und praktisch vor allem mit Eiweiß. Das Setting ist einfach: ein Karton Eier, zwei Schneebesen, eine Schüssel, Zucker, Wasser, Öl, Alkohol, eine Mikrowelle und wenige weitere Requisiten – und der Vortrag selbst ist bestechend unterhaltsam, informativ und hochgradig performativ. Sein großes Credo: Wir kochen zum überwiegenden Teil noch immer wie im Mittelalter, obwohl wir das längst nicht mehr müssten.

Ein Blick auf die Arbeitsverhältnisse der Haubengastronomie in Österreich. Auch hier scheint manches wie im Mittelalter: ausufernde Arbeitszeiten, Raumknappheit und Raumtemperaturen von bis zu 55° in den Küchen, strenge Hierarchien, Produktionsbedingungen unter Hochleistungsdruck, die Forderung nach Kreativität ohne die Klientel zu überfordern, logistisch intuitiv bis ins Letzte durchorganisiert, denn draußen sitzen 80 Gäste, die alle zur selben Zeit à la carte bestellen und möglichst rasch und zufriedenstellend bedient und verköstigt werden wollen.

Das TiB stellt nicht eine Kochshow mehr auf die Beine, sondern transferiert den alltäglichen Wahnsinn zwischen Töpfen und Pfannen auf die Bühne und beschäftigt sich sinnlich mit einer Zunft, die ähnlich wie das Theater eine jahrtausende alte Kunst immer wieder neu befragt und bearbeitet, um den Hunger des Publikums auch im wörtlichen Sinne zu stillen – und all das verschnitten mit dem Re-Enactment einer Lecture-Performance, die Einblicke in das bietet, was man mit einem Hühnerei alles machen kann... Selbstverständlich wird es auch die eine oder andere Kostprobe geben.

Konzept und Idee: Lorenz Kabas
Raum und Ausstattung: Johanna Hierzegger
Umsetzung und Spiel: Johanna Hierzegger, Lorenz Kabas, Martina Zinner


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