Vortrag

Klimt-Führung - Einblicke in den größten Kunstskandal Wiens um 1900


Die Universität Wien bietet im Februar wieder Führungen zu Historie und Diskurs rund um die so genannten "Fakultätsbilder" von Gustav Klimt an. Klimt hatte in den 1890er Jahren gemeinsam mit Franz Matsch den Auftrag erhalten, den Großen Festsaal der Universität Wien mit Deckengemälden auszustatten. Diese Gemälde riefen einen Sturm der Entrüstung hervor und wurden durch den Künstler letztlich zurückgekauft. 1945 verbrannten sie in Schloss Immendorf.

Inhalt der Führungen sind die Entstehungsgeschichte der "Fakultätsbilder" sowie die vielschichtigen Diskussionen, die rund um diese Gemälde stattfanden. Den BesucherInnen werden die im Jahr 2005 an der Decke angebrachten Reproduktionen im Festsaal gezeigt und sie erhalten einen Reader mit zeitgenössischen Texten.

Künstlerkompanie
Ein Entwurf von Heinrich von Ferstel aus dem Jahr 1883 zeigt, dass im Großen Festsaal der Universität Wien von Beginn an Deckengemälde vorgesehen waren. Später entschied man sich, Gustav Klimt und Franz Matsch gemeinsam heranzuziehen. Man wählte die Darstellung "Triumph des Lichtes über die Finsternis" als Mittelgemälde, umgeben von den Fakultäten Theologie, Philosophie, Medizin und Jurisprudenz. Unterrichtsministerium und Universität wandten sich an Franz Matsch, der 1893 einen Entwurf vorlegte. Die beiden Maler hatten als "Künstlerkompanie" gemeinsam mit dem 1892 verstorbenen Bruder Klimts, Ernst, bereits zahlreiche anerkannte Projekte umgesetzt. Nach den Entwürfen von 1894 sollte Gustav Klimt die Bilder "Medizin", "Jurisprudenz" und "Philosophie" sowie zehn Zwickelbilder und Franz Matsch das Mittelgemälde, das Bild "Theologie" sowie sechs Zwickelbilder fertigen.

Kritik an den "Fakultätsbildern"
In den folgenden Jahren distanzierte sich Klimt zunehmend von den Vorstellungen der Auftraggeber. Er setzte sich mit zeitgenössischer europäischer Kunst – vor allem niederländischen und belgischen Symbolisten – auseinander. Ausstellungen im Künstlerhaus und in der Secession beeinflussten sein Schaffen. Die "Fakultätsbilder" gelten als ein "symbolistisches Hauptwerk" Gustav Klimts. Die Ausstellungen der "Fakultätsbilder" in der Secession machten diese einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich und es entstand eine große heterogene Gruppe, die Kritik an den Gemälden übte.

Klimt zog sich zurück
1903 waren die "Fakultätsbilder" erstmals gemeinsam zu sehen. Gustav Klimt malte bis zuletzt an dem Bild "Jurisprudenz", wobei er stark von dem vorgelegten Kompositionsentwurf abwich. Er verlor den Zuspruch des Unterrichtsministeriums endgültig: Es gab keine Zustimmung zur Anbringung der Bilder im Festsaal.1905 reagierte Klimt, indem er den Auftrag zurücklegte. Er kaufte schließlich die Bilder vom Ministerium zurück und nahm keine weiteren öffentlichen Aufträge mehr an.

Verbrannte Bilder
Franz Matsch führte die restlichen Zwickelbilder an Klimts Stelle aus. Letztlich trat auch er vom Auftrag zurück. Sein Bild "Triumph des Lichtes" wurde an der Decke angebracht, die "Theologie" fand ihren Platz im Sitzungssaal der Katholisch-Theologischen Fakultät. 1943 erfolgte im Rahmen einer Ausstellung im "Austellungshaus Friedrichsstraße", der heutigen Secession, die letzte Präsentation von Klimts "Fakultätsbildern". 1945 verbrannten sie gemeinsam mit Kompositionsentwürfen und zahlreichen anderen Werken im Schloss Immendorf in Niederösterreich.

Termine der Klimt-Führungen (ca. 60 Minuten und in deutscher Sprache):
Konzept und Durchführung: Barbara Sauer und Maria Czwik

Preise: 5,00 Euro, ermäßigter Beitrag 3,50 Euro


Vergangene Termine