Literatur

Klaus Hillenbrand - Fremde im neuen Land


Aus ihrer Heimat vertrieben, kamen ab 1933 zehntausende deutsche und österreichische Juden nach Palästina. Dort nannte man sie spöttisch "Jeckes", und sie fanden sich zunächst nur schwer zurecht. Führende Intellektuelle gründeten schon 1932 mit dem deutschsprachigen „Mitteilungsblatt“ eine eigene Zeitung. Dieses Wochenblatt unterstützte die Einwanderer bei der Eingliederung in die neue Heimat, organisierte Debatten über die Zukunft Palästinas und informierte während des Zweiten Weltkriegs über die furchtbare Lage in Deutschland und Österreich und den Holocaust.

Noch vor Ende des Krieges veröffentlichte das „Mitteilungsblatt“ erste Reportagen über die Lage in den befreiten Ländern Europas. Nach dem 8. Mai 1945 besuchten ihre Mitarbeiter, darunter bekannte Zionisten und Wissenschaftler wie Robert Weltsch und Gershom Scholem, Österreich und Deutschland. Sie suchten nach Anknüpfungspunkten aus ihrem früheren Leben, doch sie fanden ein zerstörtes Land, hungernde Menschen und nur sehr wenige jüdische Überlebende. Die Texte berichten von der Situation in Salzburg unmittelbar nach der Befreiung, informieren über die Lage in den Camps der Displaced Persons in Linz und Landsberg am Lech und beschreiben Wien, eine hungernde Stadt ohne Juden. Es sind scharfe Einblicke von distanzierten Beobachtern in ein vom NS-Regime verwüstetes Land und ihre Menschen.

Klaus Hillenbrands Buch „Fremde im neuen Land“ versammelt 22 Reportagen aus der Zeit zwischen 1945 und 1950 und beschreibt deren Hintergründe und ihre Protagonisten. Dazu begibt sich der Autor auf die Suche nach der Geschichte der deutschen und österreichischen Juden in Palästina bis zur Staatsgründung Israels im Jahr 1948.

Klaus Hillenbrand, Jahrgang 1957, ist Politikwissenschaftler und leitender Redakteur der Berliner „taz“. Er hat mehrere Bücher zur Geschichte des Nationalsozialismus und der Verfolgung der Juden veröffentlicht.


Vergangene Termine