Klassik

Klangforum Wien, Katrien Baerts, Sopran


Paul Celan vertont von Harrison Birtwistle.

Klangforum Wien
Leitung: Bas Wiegers
Sopran: Katrien Baerts

In seiner „Todesfuge” hat Paul Celan den Schrecknissen des Holocausts ein gewaltiges sprachliches Denkmal gesetzt, das Betroffenheit und Verstörung auslöst. Maler wie Anselm Kiefer haben darauf reagiert, ebenso auch der britische Komponist Harrison Birtwistle, der in seinen „9 Settings of Celan” eine aus den Fugen geratene Welt zu hochexpressiven Klangbildern verdichtet.

Dieses Konzert ist ein Intermezzo innerhalb des Projekts „urbo kune”, produziert vom forum experimentelle architektur, netzzeit und dem Klangforum Wien. Es findet im Rahmen des interdisziplinären Celan-Birtwistle-Symposions statt, das vom Institut für Philosophie der Universität Wien veranstaltet wird.

Das Klangforum Wien – Eine Veranstaltung zur Verbesserung der Welt

24 MusikerInnen aus zehn Ländern verkörpern eine künstlerische Idee und eine persönliche Haltung, die ihrer Kunst zurückgeben, was ihr im Verlauf des 20. Jahrhunderts allmählich und fast unbemerkt verloren gegangen ist: Einen Platz in ihrer eigenen Zeit, in der Gegenwart und in der Mitte der Gemeinschaft, für die sie komponiert wird und von der sie gehört werden will.

Seit seinem ersten Konzert, welches vom Ensemble noch als „Société de l’Art Acoustique“ unter der musikalischen Leitung seines Gründers Beat Furrer im Palais Liechtenstein gespielt wurde, hat das Klangforum Wien unversehens ein Kapitel Musikgeschichte geschrieben: An die fünfhundert Kompositionen von KomponistInnen aus drei Kontinenten hat das Ensemble uraufgeführt und so zum ersten Mal ihre Notenschrift in Klang übersetzt. Auf eine Diskographie von mehr als 70 CDs, auf eine Reihe von Preisen und Auszeichnungen und auf 2000 Auftritte in den ersten Konzert- und Opernhäusern Europas, Amerikas und Japans, bei den großen Festivals ebenso wie bei jungen engagierten Initiativen könnte das Klangforum Wien zurückblicken, wenn das Zurückblicken denn seine Sache wäre.

Über die Jahre sind tiefe Künstlerfreundschaften mit herausragenden KomponistInnen DirigentInnen, SolistInnen, RegisseurInnen und engagierten ProgrammmacherInnen gewachsen. Am Profil des Klangforum Wien haben sie ebenso Anteil, wie dieses seinerseits ihr Werk mitgetragen und –geformt hat. In den letzten Jahren haben sich einzelne Mitglieder wie auch das Ensemble als ganzes zunehmend um die Weitergabe von Ausdrucksformen und Spieltechniken an eine neue Generation von InstrumentalistInnen und KomponistInnen bemüht. Seit dem Jahr 2009 könnte sich das Klangforum Wien auf Grund eines Lehrauftrags der Kunstuniversität Graz auch in corpore „Professor“ nennen.

Das alles würde äußerlich bleiben, wäre es nicht das Ergebnis des in den monatlichen Versammlungen aller MusikerInnen des Ensembles permanent neu definierten Willens eines Künstlerkollektivs, dem Musik letztlich nur ein Ausdruck von Ethos und Wissen um die eigene Verantwortung für Gegenwart und Zukunft ist. Und so wie die Kunst selbst ist auch das Klangforum Wien nichts anderes als eine durch ihr Metier nur sehr behelfsmäßig getarnte Veranstaltung zur Verbesserung der Welt. Wenn sie das Podium betreten, wissen die MusikerInnen des Ensembles, dass es nur um eines geht: Um alles. Eros und Unbedingtheit dieses Wissens machen das Besondere der Konzerte des Klangforum Wien.

Wer über die Geschichte des Ensembles gerne mit Zahlen, Daten und Fakten bedient sein will, ist herzlich willkommen, diese auf www.klangforum.at nachzulesen. Für eine kurze Biographie des Ensembles schien es uns aber richtig, entgegen einer mehr dem Statistischen verpflichteten Konvention den Versuch einer Skizze des inneren Wesens des Klangforum Wien zu unternehmen.

Die Mitglieder des Klangforum Wien stammen aus Australien, Bulgarien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Österreich, Schweden und der Schweiz. Sylvain Cambreling, Friedrich Cerha und Beat Furrer sind die drei herausragenden Musiker, denen das Klangforum Wien im Verlauf seiner 25jährigen Geschichte durch jeweils einstimmigen Beschluss aller MusikerInnen die Ehrenmitgliedschaft des Ensembles verliehen hat. Seit 1997 ist Sylvain Cambreling erster Gastdirigent des Klangforum Wien.


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