Theater

Kindertragödie


Sie sind 15, 16 und 18 und wachsen in einer Umwelt auf, die von Moral, Familie, Religion und gesellschaftlichem Ansehen bestimmt ist. Ein Glassturz aus festen Werten, der rissig wird und schließlich zerbricht, als die Geschwister entdecken, dass die Mutter ein außereheliches Verhältnis hat. Eine Vertreibung aus dem Paradies, Verlust von Unschuld und Naivität – langsam stumpfen sie ab in einer Welt, die sie nicht verstehen und der sie nicht gewachsen sind.

Das Ende der Kindheit: eine Tragödie. Mit Kindertragödie, 1918 entstanden und im Jahr darauf am Volkstheater uraufgeführt, gelang Karl Schönherr ein Meisterwerk dramatischer Technik: Das auslösende Geschehen spielt sich zur Gänze im Hintergrund ab, nur in den drei Kindern offenbart sich die Tat der Mutter, die ihre heile Welt zum Einsturz bringt. Angesiedelt in einer Försterei, lässt das Stück doch (ähnlich wie Der Weibsteufel) das ländliche Milieu hinter sich bzw. weist weit darüber hinaus.

Für Kindertragödie wurde Schönherr zum dritten Mal mit dem Grillparzer-Preis ausgezeichnet. Dennoch hat die problematische Rezeption des Autors lange den Blick auf dieses wie auch seine anderen Stücke verstellt: „Wirf mir keine Bodenständigkeit vor, lass mir die Scholle in Ruh und finde in meiner Wohnung insbesondere nicht den allermindesten Erdgeruch“, beschwor Schönherr im Herbst 1910 einen Freund.

Vergeblich. Scholle und Erde waren und blieben mit dem dramatischen Werk Schönherrs verbunden und verhinderten lange Zeit seine Rehabilitierung als Autor. Man sah in ihm einen „Apostel von Blut und Boden“. Zu Unrecht: Ein Arzt wie Schnitzler, hat er von „seiner großstädtischen Einsamkeit aus alle Schattenseiten der bäuerlichen Existenz und des bäuerlichen Wesens unbarmherzig dargestellt. Er hat keine falsche Therapie anzubieten, er kann bestenfalls Diagnosen stellen und an ausgewählten Fällen die Krankengeschichte menschlicher Beziehungen zu ihrer Umwelt aufschreiben.“ (Hans Weigel)

Regie und Ausstattung

Regie: Philip Jenkins
Bühne und Kostüme: Sabine Ebner
Dramaturgie: Elisabeth Geyer

Besetzung

Der ältere Bruder Roman Schmelzer
Der jüngere Bruder Annette Isabella Holzmann
Die Schwester Andrea Bröderbauer


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