Tanz

Kharbga


Machtspiele – Der Titel Kharbga bezieht sich auf ein populäres nordafrikanisches Spiel, und der Untertitel jeux de pouvoir (Machtspiel) gibt die Leserichtung der Choreografie von 2012, als Teil eines Echos der Erhebung des tunesischen Volkes im Dezember 2010, welche in der Folge den Arabischen Frühling einleitete: "Le peuple tunisien en a eu marre d’être esclave du jeu" – "das tunesische Volk hatte es satt, dem Spiel ausgeliefert zu sein", so die ChoreografInnen.

Kharbga beschäftigt sich mit dem Spiel als Modell, das Machtspiele und Wertesysteme inkorporiert, aber auch Handlungsräume birgt und damit auch ein Potenzial des Lernens und der Übertragung auf unsere unmittelbare Realität und Welt. Das traditionelle Khargba, ähnlich dem Damespiel, wurde aber auch auf dem Boden gespielt mit Kieselstein-Nestchen und in den Boden gebuddelten Mulden. Dementsprechend finden bei der Aufführung acht Tonnen Kieselsteine, mit denen die Körper der sechs TänzerInnen auf der Bühne Fragen von (innerem) Kampf, Spiel und Macht auf mitunter existenzielle Weise verhandeln, wenn sie ihre Körper unaufhaltsam gegen die auf dem Bühnenboden angehäuften Steinhaufen schmettern, Eingang in das Stück. "Tanz wie eine Brücke über das mediterrane Meer", beschreibt eine Kritik die Intervention des aus Tunesien stammenden und seit 2005 in Lyon lebenden ChoreografInnen-Duos Hafiz Dhaou und Aïcha M’Barek.

Aïcha M’Barek und Hafiz Dhaou tanzten zehn Jahre gemeinsam am Sybel Ballet, bevor sie sich 2005 zu einer gemeinsamen Zusammenarbeit unter dem Label Cie. Chatha entschlossen. Seit 2003 unterrichtete Aïcha M’Barek am regionalen Conservatoire, an der Universität der Künste in Lyon schloss sie ein Masterstudium ab. Hafiz Dhaou arbeitete mit Mathilde Monnier in Montpellier. Dort präsentierte er 2002 das Solo Zenzena und 2003 das Gruppenstück h.m. Seit der Gründung der Cie. Chatha entwickeln sie in ihren Choreografien ein gemeinsames Bewegungsvokabular. 2006 entstand Kaddem Hazem, 2008 VU, 2010 Kawa und 2011 Un des Sens, ein Stück für 28 Tänzerinnen und Tänzer in Zusammenarbeit mit dem Ballet de Lorraine.

KONZEPTION, CHOREOGRAFIE: Aïcha M’Barek & Hafiz Dhaou
INTERPRETATION: Stéphanie Pignon, Rolando Rocha, Amala Dianor, Hafiz Dhaou, Melchior Derouet
MUSIK: Eric Aldea, Ivan Chiossone, Hafiz Dhaou
LICHT: Xavier Lazarini
SOUNDDESIGNER: Christophe Zurfluh
LICHTDESIGNER: Sandrine Faure


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