Vortrag · Diverses

Kemalistischer Putsch, islamische Revanche, westlicher Chauvinismus?


Es diskutieren:

• Reza Algül, Politikwissenschaftler und alevitischer Lehrer
• Mülkiye Laçin, Dachverband der Kurdischen Vereine in Österreich (Feykom)
• Murat Gürol, Aktivist gegen das Islamgesetz, Netzwerk Muslimische Zivilgesellschaft
• Sandra Bakutz, Internationale Plattform gegen Isolation, Radio-Moderatorin
• Ali Cem Deniz, Journalist und Autor eines Türkei-Buches (erscheint im Oktober)
• Wilhelm Langthaler, vielfacher Türkei-Reisender, Antiimperialistische Koordination (AIK)

Moderation: Imad Garbaya, tunesischer Linksoppositioneller

Der gescheiterte Putsch war ein Zeichen – doch für was eigentlich? Die möglichen Lesarten könnten selbst aus antiimperialistischer Sicht nicht unterschiedlicher sein.

Da sind jene, die die Volksmobilisierung gegen die Nato-Militärs betonen, die nicht nur die demokratischen Errungenschaften sicherte, sondern auch die Selbständigkeit der Türkei gegenüber der westlichen Einflussnahme. Da gibt es diese, die die Gefahr der Herrschaft des Politischen Islam betonen, der ebenfalls in eine Diktatur führe. Aus kurdischer Sicht wiederum scheint sich Erdogan seinen kemalistischen Gegnern zunehmend anzunähern.

Dann sei auch die Interpretation aus Sicht des syrischen Bürgerkriegs genannt, der offensichtlich auf die Türkei zurückschlägt. Und da sind dann wie immer auch die wildesten geopolitischen Spekulationen, nach der die USA wahlweise auf Gülen, Erdogan, die Kemalisten oder die Kurden setzen würden.

Man könnte meinen, es gäbe zumindest eine gemeinsame Ablehnung der europäischen medialen und politischen Kampagne gegen die Türkei, sowie Türken und den Islam im Allgemeinen. So will Hofer in altbekannter FP-Manier die Einbürgerung von Türken überhaupt stoppen, VP-Kurz will Anti-Putsch-Demonstranten „heimschicken“ und SP-Kanzler Kern sieht das Grundrecht auf Demonstration missbraucht. Dabei werden Erdogans Erbsünden der Todesstrafe und des Ausnahmezustands in Stellung gebracht, als gäbe es so was in den USA oder Frankreich nicht. Doch einigen Linken geht selbst diese Kritik noch zu wenig weit.

Wie kann eine demokratische und antiimperialistische Position das alles unter einen Hut bringen?

Eine Veranstaltung der Antiimperialistischen Koordination (AIK), die mit ihren Vorläufern seit den 1980er Jahren in der Solidarität mit dem vielgestaltigen und auch widersprüchlichem Kampf der Völker der Türkei gegen Diktatur und westlichen Imperialismus aktiv ist.


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