Literatur · Theater

Karl Markovics & Gottlieb Wallisch


George Antheil, Enfant terrible der Musikszene im Paris der 1920er-Jahre, machte sich vor allem durch seine futuristische Klaviermusik und seine Komposition Ballet Mécanique einen Namen. Er wurde am 8. Juli 1900 in Trenton, New Jersey, als Sohn deutscher Eltern geboren. 1922 ging er nach Berlin, um als Pianist eigener und zeitgenössischer Werke Karriere zu machen. Bald darauf widmete er sich aber hauptsächlich der Komposition. Seine vom Jazz beeinflussten und stark experimentellen Werke sind perkussiv, dissonant und stark rhythmisch geprägt.

1923 übersiedelte er nach Paris, wo ihm sein außerordentliches Talent für Freundschaft die Verbindung mit fast allen illustren Gestalten der Pariser Kunstszene einbrachte: Igor Strawinsky und Pablo Picasso, James Joyce und Fernand Legér, Jean Cocteau und Ernest Hemingway. Ein Skandalerfolg wurde die Uraufführung des Ballets mécanique 1926: Tout Paris sprach von seinem Klavierspiel und seinen Kompositionen und wartete begierig auf den nächsten Skandal.

Nach seiner Rückkehr in die USA 1933 schrieb er Filmmusik für Hollywood, er verfasste aber auch einen Kriminalroman und Zeitungskolumnen für den Esquire über Liebe, Politik und Astronomie und verpasste darüber den musikalischen Anschluß. Seine amüsante und verwegene Autobiografie Bad Boy of Music, in den 1940er Jahren verfasst, ist zweifellos das Verwegenste, was im Genre der Musiker-Memoiren bisher geleistet wurde. Die Wahrheiten dieses Lebensberichts sind ebenso erstaunlich wie amüsant.

George Antheil starb, traurig und verwirrt, unfähig, sein rätselhaftes Schicksal zu verstehen, 1959 in New York.

Karl Markovics begann seine professionelle Schauspielerkarriere 1982 am Wiener Serapionstheater. Danach spielte er in Michael Schottenbergs Theater im Kopf, Karl Welunscheks Wiener Ensemble und in zahlreichen Produktionen des Wiener Volkstheaters und des Theaters in der Josefstadt. Daneben trat Karl Markovics in Musical- und Opernproduktionen und als Rezitator in literarisch-musikalischen Abenden auf. Seine erste Filmrolle übernahm er 1991 in dem Kinofilm Hund und Katz von Michael Sturminger. 1993 spielte er den Kirchingerwirt in Paul Harathers tragikomischem Roadmovie Indien. Einem breiteren Publikum wurde der zweifache Romy-Preisträger in der Kategorie "Beliebtester Schauspieler" (2007 und 2008) als Bezirksinspektor Stockinger, zuerst in der österreichischen Krimiserie Kommissar Rex, danach in der Spin Off-Serie Stockinger bekannt. Es folgten weitere Filmrollen u. a. in Hinterholz 8, Late Show und – als Hauptdarsteller neben Julia Stemberger – in Geboren in Absurdistan sowie in Komm, süßer Tod und in über 50 weiteren Film-und Fernsehrollen. Die Hauptrolle des Salomon Sorowitsch in Stefan Ruzowitzkys Film Die Fälscher (2007), der bei der 80. Oscarverleihung als Bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet wurde, war Markovics’ bislang größter internationaler Erfolg. 2009 war er zusammen mit anderen österreichischen Filmschaffenden Mitbegründer der Akademie des Österreichischen Films. 2011 gab er mit dem Spielfilm Atmen sein Debüt als Regisseur und Drehbuchautor. Die Produktion mit Thomas Schubert in der Hauptrolle wurde in die Reihe Quinzaine des réalisateurs der 64. Filmfestspiele von Cannes eingeladen, mit 40 internationalen Preisen ausgezeichnet, sowie 2012 in sechs Kategorien mit dem Österreichischen Filmpreis ausgezeichnet.

Gottlieb Wallisch studierte an der Wiener Musikhochschule bei Heinz Medjimorec, der Universität der Künste Berlin bei Pascal Devoyon und nahm an Meisterkursen von Oleg Maisenberg und Dimitrij Bashkirov teil. Er ist Preisträger zahlreicher Wettbewerbe, darunter der 1. Preis sowie der „Grand Prix Ivo Pogorelich“ des „Stravinsky Awards“ (USA) und war Finalist des „Queen-Elisabeth-Wettbewerbs“ in Brüssel 1999 sowie des XXI. Concours Clara Haskil 2005. Er konzertierte mit führenden Orchestern, u.a. den Wiener Philharmonikern, dem Gustav Mahler Jugendorchester, dem Royal Liverpool Philharmonic, der Camerata Salzburg oder den Festival Strings Lucerne unter Dirigenten wie Giuseppe Sinopoli, Sir Neville Marriner, Dennis Russell Davies, Christopher Hogwood, Martin Haselböck, Bruno Weil, Walter Weller und Lord Yehudi Menuhin. Zahlreiche Tourneen führten ihn in die USA (Carnegie Hall), nach Großbritannien (Wigmore Hall, Queen Elizabeth-Hall), Japan, China, Spanien, Südamerika, in den Mittleren Osten, nach Afrika und in weitere europäische Staaten. Gottlieb Wallisch war Gast bei bedeutenden Festivals und Konzertsälen wie dem Lucerne Festival, Klavierfestival Ruhr, Schubertiade Schwarzenberg, Tonhalle Zürich, Musikverein Wien, Wigmore Hall London, Singapore Arts Festival, Salzburger Festspiele oder der Kölner Philharmonie. Zahlreiche CD-Einspielungen für Labels wie LINN records, alpha-music, Deutsche Grammophon u.a. 2012 wurde er zum „Steinway Artist“ ernannt. Regelmäßige kammermusikalische Projekte sowie eine Professur für Klavier an der Haute Ecole de Musique Genève runden seine musikalische Tätigkeit ab.


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