Literatur · Theater

Julian Sigl liest Der Herr Karl


Der Antiheld „Herr Karl“ erzählt einem „jungen
Menschen“, dem Zuschauer, seine
Lebensgeschichte, während er bei der Arbeit im
Lager eines Feinkostgeschäftes sitzt. Dabei entpuppt
sich der Erzähler zunehmend als opportunistischer
Mitläufer aus dem kleinbürgerlichen Milieu, der sich
im wechselhaften Gang der österreichischen
Geschichte vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zum
Ende der Besatzungszeit in den 1950er Jahren
durchs Leben manövriert hat. Auf den ersten Blick
lässt sich Herr Karl als typischer Wiener, „katholisch“
und „freiheitsliebend“, als ewiger Raunzer
charakterisieren. Als repräsentativer Kleinbürger
verkörpert er sozusagen die vox populi, die Stimme
des Volkes. Äußerlich erscheint der Herr Karl als
netter, ehrlicher, aber naiver Kerl mit liebem Blick.
Doch nach und nach erfährt der Zuschauer von dem
Opportunisten, der sich hinter dieser Fassade der
Gemütlichkeit verbirgt.


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